You tube für die Eine Welt

Javanischer Bauer pflügt mit Ochsen

Bauer im Dürregebiet auf Java

Seit gestern online: das Film- und Bürgerportal ”Human Pictures”. Wer engagierte Filme, Videos , Fotos – sei’s auch nur vom Handy – hochladen möchte, die ein besseres Zusammenleben von Menschen und Völkern zum Ziel haben: Hier ist der richtige Platz. Zitat aus der Plattform:
”In welcher Welt möchten Sie leben? In einer, wo niemandem etwas passieren kann, weil es eine perfekte Kontrolle gibt, oder in einer, wo jeder seinem Mitmenschen vertrauen kann, weil fast alle sich an Werten wie Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein orientieren?
Gefiele Ihnen ein perfekt funktionierendes System besser – mit vollkommener Gerechtigkeit – oder ein Gemeinwesen, in dem jeder aus Fehlern lernen darf, sich aber auch nicht vor schwierigen Aufgaben drücken muss?”

Dom zu Naumburg

Mosaikbild von anna Knauth 1855

Annas Fenster 1855

Du stiller Schatten. Kerzenduft, verbannt
Noch duftend nach verwehter Hoffnung
Heimlichen Wünschen, Träumen, barmender Verzweiflung
Nach meiner Ahne ahnendem Erschauern.

Du Stein. Du höchste Kunst in höchsten Nöten
Du Botschaft, wundersam und unerhört.
Du Friedensschauplatz, unruhvoller Hafen
So fern den Meeren, nah den Galaxien
So voll Gesichter, Stimmen, Sinfonien
Ich wünscht’ in dir den letzten Schlaf zu schlafen.

Worauf ich mich freue …

Der Verlag macht wieder ein schönes Hardcover – Teil zwei der Reihe.

Aufstiege und Abstürze

Mondlicht und Hexenwerk …
..wieso Männer und Frauen perfekt nicht zueinander passen

Die abenteuerliche Zeit des „Wandels durch Annäherung“

Alles ist möglich: Menschen landen auf dem Mond, zwischen West- und Ostberlin kann man wieder telefonieren, ein Diskus fliegt kilometerweit, ein Deutscher bekommt den Friedensnobelpreis, in einer Thüringer Kleinstadt gibt es das europaweit beste Japan-Restaurant: Anfang der 70er Jahre sprechen viele Zeichen für Aufbruch, Fortschritt – und unbegrenztes Vergnügen bei erotischen Abenteuern jenseits der Familienplanung.

Gustav Horbel aus Lauterberg ist in der Hauptstadt Berlin gelandet, um Physik zu studieren, denn er ist sehr neugierig darauf, was die Welt im Innersten zusammenhält. In Berlins Straßen, in Bars und Theatern, im Thüringer Wald und in den Reichsbahnzügen dazwischen lernt er dann viel mehr darüber als in Labors und Hörsälen. Während er mit Prüfungen an der Universität wenig Scherereien hat, macht er in den Prüfungen des Lebens keine besonders gute Figur, er will einfach zu hoch hinaus. Ob das am Geist dieser 70er Jahre liegt, in denen alles möglich scheint?

Zwischen Traum, Wahn und Wirklichkeit stolpert Gustav durch eine bewegte Zeit. Gott sei Dank nimmt ihn immer wieder jemand bei der Hand, manchmal ein berühmter Mann, manchmal die schönste Frau der Welt.

Probelesen können Sie jetzt schon, „Babels Berg“ erscheint im Herbst 2010 im Salier Verlag Leipzig

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Sommer

Rosenblüte, rot

Blühen und Vergehen

Sommer
Komm, meine Sonne, tränke meine Haut
mit Lichtgefühl, durchdringe meine Lider,
erweck die Düfte aller Sommer wieder
und alle Blüten, die ich je geschaut.

Mach aus der Zeit ein kosmisches Gewebe
und schmilz die Uhren ein zu schwarzem Schaum.
Zieh mich auf deiner Bahn zum Weltensaum,
mach mich zum Augenblick, in dem ich lebe.

Tags: Gedicht,

Siebenschläfer – ein Anfang

Der neue Roman will geschrieben sein. Er will ankommen im Hier und Heute, er wird sich vier Jahrzehnte Erfahrenes einverleiben, weil Träume niemals altern und weil sie die Energie der Erfahrung aufzehren müssen. Glauben mag das wer will –  hier ein Pröbchen.

Nager mit gesegnetem Schlaf

Das Wappentier für den deutschen Sommer

Ein silberner Ballon hängt im Blassblau, Sticker am Seidenshirt des Sommertages, der sich bald zum Rekordsommertag heißlaufen wird. Gustav Horbel träumt sich hinauf in den Korb, wo es noch kühl sein muss morgens um 7. Er sähe von dort die Rheinebene vorm Schwarzwald, die Autobahn nach Basel, den Strom, die Türkise neben Kieswerken; Türkise im Kiesel. Er kieste die Tür, er kürte den Diesel, hatte den öffentlichen Diesel erkoren für den Weg zum Bahnhof der Bäderstadt, die Liebste durfte weiterschlafen, „musst nicht aufstehen, hab kaum Gepäck, träum noch ’n bisschen“, ein Küsschen, trauliches Ritual, entzückende Schläfrigkeit, die sich räkelt in der Wärme am noch kühlen Morgen, dem heiß der Julitag folgen wird, den Siebenschläferrekord zu brechen: Sonne, sieben Wochen lang, und eine Rekordpopulation an Siebenschläfern dazu – allerdings nur in Osnabrück, so war im Internet zu lesen, nirgendwo sonst. In Osnabrück tauchten Tausende der wegen ihrer Seltenheit geschützten Bilche auf im Rekordsommer, zeigten ungeniert die buschigen Schwänze, spukten auf Dachböden, erschreckten eine um Haus und Garten besorgte Alte, die nix weiter getan hatte, als ihre Rosen mit Bananen zu düngen.

„Na“, sprach missingsch der Mann vom Veterinäramt im Webvideo, „kein Wunder, dass das die Bilche anzieht, die sind verrückt nach Bananen“, und zeigte einen im Gitterkäfig gefangenen vor, er werde ihn nun aussetzen im Wald, 20 Kilometer entfernt. Das Video zeigte, wie ein gar nicht schläfriger Siebenschläfer den Stamm einer Buche umrundete, noch einmal den Arm des Fängers aufsuchte, vielleicht eine Abschiedsbanane erheischend. Gustav erinnerte sich, wie die Kraft der Bananen 20 Jahre zuvor geholfen hatte, ein Staatswesen einstürzen zu lassen, stete Banane höhlt den Sozialismus, wie ein Mann namens Krause die Zukunft von Ananas und Bananen für alle beschworen und einen Vertrag unterzeichnet hatte, der den Preis der Dosenananas zum Argument einer gesamtdeutschen Staatsgründung erhob. Der Mann war wenig später aus der Politik verschwunden, billige Bananen und Ananas aber waren geblieben, so billig, dass in Osnabrück, wohl auch in Wittenberg Beete damit gedüngt werden konnten, den Bilchen zur Freude.

Gustav, wie stets um störende Einwände nicht verlegen, sah in der Tatsache, dass wieder eine Spezies die Scheu vorm Menschen abgelegt, als dessen putziger Kostgänger das Über-Leben in der Stadt dem Er-Leben von Freiheit in der Wildnis vorgezogen hatte, nur eine verschobene Gefährdung der Dickschwänze: „Fürsorge schafft Bedürftigkeit“, dachte er, und dass nun die Bilche, natürlicher Fertigkeiten zum Nahrungserwerb entwöhnt, Zivilisationskrankheiten erliegen würden, ihnen künftighin Fettleibigkeit statt Füchsen – das Video hatte wirklich fette Bilche gezeigt! – infektiöse Katzenflöhe statt Uhus den Garaus machten. Die Siebenschläfer hatten die sichere Versorgung der Freiheit vorgezogen; ob das Aussterben der bedrohten Tierart dadurch beschleunigt wurde, war eine interessante Frage.

Windsbraut

Das Gedichtchen stammt aus meiner Studienzeit – Anfang der 70er Jahre in Berlin, als ich sehr verliebt war und verwirrt. Einiges davon findet sich in „Babels Berg“

...was die Welt im Innersten zusammenhält ...

...was die Welt im Innersten zusammenhält ...

Ein Apfelsinenmond lugt zwischen Ästen

Mit Frühlingsahnung kokettiert der Wind

Spielt mit dem S-Bahn-Rattern aus dem Westen

Er wirft mit Staub und macht uns beide blind.

Das schadet nichts, wer küsst braucht nichts zu sehen

Und zaust er unsre Haare noch so sehr:

Nur Wetterhähne lassen leicht sich drehen

Ein Liebespaar verträgt schon etwas mehr.

Aus für Kempinski

Das Luxushotel in Sanya

Verlorene Marke: das Kempinski in Sanya

Als wir im März zu unserer Reportage über die „Perlenverkäuferin“ für SWR 2  „Leben“ Chinas Ferienparadies Sanya aufsuchten, war das „Kempinski“ einer der besonders noblen Adressen. Allerdings hatten die Neureichen aus China und Russland, die sich dort ein Stelldichein gaben, Manieren, mit denen sie locker jeden Fernsehnachmittag bei SAT 1 oder RTL 2 hätten gestalten können. Beim Frühstück spielten sich bisweilen Szenen ab wie in Gewerkschaftsheimen der DäDäÄrr. Der Konzern zog Konsequenzen und sich aus der Partnerschaft mit einem chinesischen Investor zurück.

Meer und Palmen sind immer noch schön, die Insel Hainan soll demnächst den größten Golfplatz der Welt haben: ein Viertel der Gesamtfläche der Tropeninsel Hainan. Einige Dörfer werden verschwinden, damit die Geldmaschinen sich noch schneller drehen …

Chinas Gesichter – eine Welt

China: Alltag der Riesen, der Zwerge und wundersamer Verwandlungen

Wenn jemand für ein einziges Buch den Literatur-Nobelpreis verdiente, dann Liao Yiwu.
“Fräulein Hallo und der Bauernkaiser” fasst das Drama des totalitären China auf so einzigartige, unwiderstehliche Weise in Worte, dass sich mir jede Beschreibung des Inhalts verbietet. Lesen Sie es! Sie werden ahnen, mit welcher Wucht sich das Riesenreich in die Weltgeschichte einbringt – nicht nur in die Wirtschaft, sondern vor allem in die Kultur. Wir können nur hoffen, dass dieses in jeder Hinsicht gewaltige Geschehen, dessen Zeugen wir werden, von Stimmen wie der des Liao Yiwu begleitet, dass diese Stimmen überall gehört werden.
Sein Buch hilft – über alle Grenzen von Sprache und Kultur hinweg – die eigene Schwäche, Blindheit, Verlorenheit zu spüren, vielleicht, sie zu überwinden.
Wang Xilin, Revolutionssoldat, später als Komponist gedemütigt, gefoltert, an den Rand des Wahnsinns getrieben, sagt in einem der Gespräche, aus denen das Buch besteht: “Meine Musik hat keine Zärtlichkeit, da ist nichts Bourgeoises, sie ist ein großer, lackschwarzer Teich, alles Umliegende wird in ihn hineingefüllt, Tränen, Blut, Schlamm, Seufzer, Schreie, mit all dem ist der See angefüllt, sagen Sie selbst, wie sollte er nicht schwer und tief sein?”
Die Geschichten dieses Buches sind bei aller Schwere, Tiefe, bei allem Schmerz doch auch leicht und zärtlich und voll Humor.
Den Übersetzern Hans Peter Hoffmann und Brigitte Höhenrieder ist zu danken, dass all das in der deutschen Fassung erlebbar wird.

Liao Yiwu “Fräulein Hallo und der Bauernkaiser”, S. Fischer Verlag 2009, 539 Seiten, 22,95 €