Lechtsrinks auf dem Vormarsch

Wahlrecht_-_Das_Illustrierte_Blatt_-_Januar_1919Dass ehemalige Anhänger der Linkspartei im Berliner Osten ebenso wie in Meckpomm massenhaft zur AfD überlaufen, ist vollkommen verständlich. Ebenso wie – schon fast vergessen – Wählerwanderungen von bürgerlichen Parteien (dazu gehörte die SPD) in Richtung „Protest“ bei den absterbenden „Piraten“. Glaubte ich daran, dass der Staat gefälligst für mein Wohlergehen zu sorgen habe, wählte ich vermutlich auch eine Partei (oder schlüge mich einer stellvertretenden NGO zu), die mir verspricht, den Staat und die Gesellschaft dahingehend zu ändern, dass er seine Fürsorge vor allem meinen Interessen angedeihen ließe. An dieser subjektiven Wahrnehmung, zum Herdenimpuls verdichtet, starb nicht nur die Weimarer Republik.

Demokratie und Rechtsstaat sind ein verdammt schwieriges Geschäft. Leute, die gern Probleme im Interesse des Gemeinwesens – relativ unabhängig vom eigenen Vorteil – lösen, lassen sich darauf ein, aber auch Karrieristen. Für sie kommt dann selten ein schneller Profit des Typs „Mir nützt, was anderen schadet“ in Sicht. Mit solcher Erwartung ist indessen das Wesen des Menschen tief imprägniert. Manche Kulturen bewahren es sorgsam, indem sie ihren Anhängern die Überzeugung vermitteln „Du bist erhaben, die anderen minderwertig“. Sie haben eine beinahe unwiderstehliche historische Wucht auf ihrer Seite, schneller, massenhafter Zulauf war stets garantiert. Vernunft und Logik spielen einfach keine Rolle, wenn jeder blutige Depp sich gebenedeit fühlen darf, vielleicht sogar Führer werden. Religionen – natürlich auch Ersatzreligionen – rekrutieren so ihre Anhänger und Aktivisten.

Der säkulare Staat wandelt solche überkommenen, tief verwurzelten Gefühle von eigener Höchstwertigkeit ab. An ihre Stelle tritt die staatlich garantierte Anspruchsberechtigung. Der Bürger des fürsorglichen Staats erwartet, dass er jedem anderen gegenüber zumindest gleiche, gern etwas privilegierte Ansprüche hat – und die „Staatsdiener“ leben ihm das vor. Wer weniger brav ist, hat weniger zu beanspruchen, meint der Wähler, und macht sein Kreuz dort, wo ihm seine private Werteskala nicht durcheinander gerät. Im günstigsten Fall – bei wirtschaftlicher Prosperität und persönlichem Wohlstand – kommt dabei eine Demokratie liberaler Prägung unter dem Motto „Leben und leben lassen“ heraus.

Keine Gesellschaftsordnung hat indessen vermocht, elementare Strebungen wie Neid, Missgunst, Eifersucht, Argwohn, Machtgier und Habsucht zu eliminieren. Demokratie und Rechtsstaat ziehen Grenzen und lassen menschlichen Regungen wie Großmut, Hilfsbereitschaft, Zuwendung, Vertrauen, Demut, Bescheidenheit einigen Raum, sich zu entfalten. Das sind Rettungsanker noch in schlimmsten Formen der Gewaltherrschaft, sie sind gleichwohl keine Selbstverständlichkeit, wenn Meinungsfreiheit gerade nicht durch Folterkeller und Sippenhaft bedroht ist. Die Wahl der Mittel bleibt jedenfalls subjektivem Empfinden anheim gestellt, und wo Konkurrenz und Anpassung den Alltag bestimmen, werden sie manchem Anspruchsberechtigten einfach lästig. Wenn der öffentliche Diskurs obendrein vom Nachdenken über individuelle Verpflichtungen aufs Gemeinwohl entbindet, der Staat zwar Vieles verspricht, aber in unvermeidlichen Krisen und Konflikten immer weniger halten kann, dann kommt die Stunde der Rebellen, der Revolutionäre und charismatischen Führer. Der Anspruchsberechtigte macht sein Kreuz dort, wo seine Ansprüche vermeintlich wahrgenommen werden. Der Staat, den er will, soll gefälligst zu ihm passen.

In der Art hat das Houellebecq in seiner „Unterwerfung“ zugespitzt erzählt. Was Demokratie gefährdet, lässt sich ziemlich genau beschreiben. Was massenhaft erwünscht ist, auch. Mit Blick auf IOC, FIFA, EU, UNO, die meisten NGO, ihre medialen Hilfstruppen frage ich mich: Wer will eigentlich noch Demokratie und Rechtsstaat? Wer will mehr als die Freiheit der eigenen „Bedürfnisbefriedigung“ und „Anspruchsberechtigung?

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Friedenstaube reloaded

Lenin-statue-in-BerlinNatürlich werden weiterhin diejenigen den Westen als Wurzel allen Übels in der Welt ausmachen, die ihn schon immer so sahen. Dass und wie ihre Wahrnehmung auf Feindbilder fixiert und für die Vernunft unzugänglich wird, hat Umberto Eco in seinem – übrigens brillant recherchierten – Roman “Der Friedhof in Prag” geschildert. Wer weiter an eine jüdische oder westliche Weltverschwörung glauben will, wird sich von Eco sowenig beeindrucken lassen wie vom einschlägigen Kapitel in “Der menschliche Kosmos”.

Der untergegangene “Friedensstaat DDR” im Osten muss in den Erzählungen seiner “Friedensfreunde” auf den neuen Montagsdemos vorbildhaft bleiben, schon weil sie mit dem Argument “Bist du etwa nicht für den Frieden?” – und das bedeutete: gegen den bösen Westen – jeden mundtot machen konnten, der auf sowjetische Kriegsverbrechen in Polen, Millionen Opfer in sowjetischen Arbeitslagern, in den Kampagnen der chinesischen Kulturrevolution und auf den Killing Fields in Kambodscha zu sprechen kam. Es herrschte insofern dort Frieden.

Die Friedensfreunde mit dem rinkslechten Moralfuror sehen auch heute den Westen als eigentlich Schuldigen für die Kriegshandlungen in der Ukraine, für radikal islamischen Terror von Taliban, Al Qaida, Isis, Boko Haram etc. an. Welche Welt wünschen sie sich? Natürlich nicht eine mit entsetzlichen Fehlern und grausamen Irrtümern behaftete, mit ungleich verteilten Gütern und dem unzulänglichen, lernbedürftige Rechtsstaat, wie es die westliche Demokratie ist. Daran müssten sie sich abarbeiten – gemeinsam mit Leuten womöglich, die ihren Pazifismus im Konflikt mit Stasi und DDR-Militärdoktrin gehärtet haben und darum im “Friedensstaat” als “feindlich-negatives Subjekt” verfolgt, inhaftiert, “zersetzt” wurden. Die neuen, besseren Pazifisten müssten sich allerdings fragen lassen, welche persönlichen Konsequenzen sie mit ihrem Pazifismus verbinden: die des Pfarrers Oskar Brüsewitz etwa, den der “Friedensstaat” zum Schweigen brachte?

Wie einfach und effizient ist es doch, sich im verdorbenen Westen stattdessen als einzig wahre Friedensfreunde darzustellen, deren moralische Sendung – kämen sie nur erst an die Macht – die Gewalttäter und Dorftyrannen dieser Welt alsbald ebenso friedfertig stimmte. Beweisen müssen sie das nicht: Ihre Weisheiten verkünden sie aus sicheren Unterständen, nichts ficht sie an. Der Westen schützt – der Meinungsfreiheit verpflichtet – seine eigenen Verächter. Damit widerlegt er freilich die antiwestliche Propaganda einigermaßen überzeugend. Ertragen wir also – wie Joachim Gauck – die Hasstiraden der rinkslechten “Friedensfreunde” von einst und jetzt. Kaum einer von ihnen befand sich je in Notlagen; sie sind gerne Nutznießer von Demokratie und Rechtsstaat, solange es sie keine Anstrengung kostet.

Das Problem der Gottesstaaten ist – wie das der Bessermenschen hierzulande – dass sie das eigene Versagen nicht in Rechnung stellen. Sie wollen nicht an Konflikten wachsen, sie wollen das Eiapopeia untereinander und die harte Faust am Gegner. Es funktioniert nicht – bei den “Piraten” nicht, nicht bei anderen Lechtsrinken. Knechtseelen sind Konflikten sowenig gewachsen wie selbsternannte moralische Instanzen. Die Duckmäuserei politisch korrekter Sprache, die dazu passende Meinungs-Führerschaft ihrer Erfinder zielt nicht auf Frieden, sie will Friedhofsruhe.

Weiterfliegen

Horbel erinnert manches an die Zeit vor 30 Jahren. Er hat sich an der DDR-Bürokratie ebenso erfolglos abgearbeitet, wie an jeder anderen. Nicht dass er die Systeme gleichsetzte, er findet nur ununterscheidbare Muster des Verhaltens, sie sind sowenig Erfindungen der DDR wie der Deutschen, sie gebären überall auf der Welt Mitläufer und Außenseiter, Karriereopportunisten und Nestbeschmutzer. Sie hetzen Helden nach oben, um sie alsbald stürzen zu können, pendeln unablässig zwischen Bewunderung und Neid, Habgier und Zerstörungswut, Herrschsucht und Unterwürfigkeit, Neid und Häme, Stolz und Feigheit. Sie erzeugen Klatsch und Tratsch, das allgegenwärtige soziale Hintergrundrauschen, sie treiben Leser, Zuschauer, demzufolge alle, die deren Aufmerksamkeit wollen: Medienmacher. Im mechanischen Zeitalter finden diese Vermittler sich als Rädchen oder Sand im Getriebe der Anstalten und Großverlage wieder, ihre Eigenimpulse werden von Geldmaschinen aufgenommen, passend eingestellt, verbraucht, ausgemustert – oder beseitigt.

Fast alles ist medienverwertbar: vorbildliches Recycling gewissermaßen, dem keine Schandtat, keine Katastrophe zu scheußlich ist, sie nicht öffentlich breitzuwalzen – Hauptsache, die Leute schauen hin und die Kassen klingeln. Den blutigsten Diktatoren der Weltgeschichte schulden Filmstudios, Fernsehsender, Großverlage einige Gedenkstätten – sie haben an Millionen Opfern Milliarden verdient.

Mindestens ein Denkmal vor jedem Verlagshaus oder Atelier käme nach Horbels Überzeugung dem Sündenbock zu, „dem ältesten und unentbehrlichsten Haustier des Menschen“. Für das Bonmot hat man ihm applaudiert, dennoch kennt er keinen einzigen Medienforscher, geschweige Politiker mit Ambitionen, sich der Meute – angeführt vom „Boulevard“, treulich gefolgt von den „Qualitätsjournalisten“ – entgegenzustellen. Sex sells, Pranger- und andere Sozialrituale nicht weniger. Sie haben noch jeden Aufklärungsversuch überlebt, von Revolutionen zu schweigen.

Dienen nicht alle Revolutionen eher dem Erhalt, der Wiederherstellung von Ritualen gegen einen wie auch immer gearteten „Freien Willen“? Wer stürzt? Und was ist eigentlich der „Volkswille“? Haben sich nicht die alten Triebimpulse der je neugewonnenen Medien – seit Gutenberg, den Brüdern Lumière, der Radioröhre oder Fernsehtechnik – schneller bemächtigt, als „Volkserzieher“ sich des Instrumentariums überhaupt bewusst wurden?

Möglicherweise ist das Internet der Ort, an dem solche Fragen neu behandelt werden; es ist schon viel erreicht, findet Gustav, wenn sich nicht immer dieselben Leute mit denselben Phrasen vernehmen lassen.

Neonazis und andere Freunde der Meinungsfreiheit

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„Ich liebe doch alle Menschen“

Foto aus dem Bundesarchiv, Bild_183-R0522-177%2C_Erich_Mielke.jpg bei wikipedia

Was befreundete Autoren, die sich mit den Kollateralschäden des SED-Stasi-Sozialismus auseinandersetzen, schon seit Jahren erzählen, wovor ich mich hier in meinem schönen Baden-Baden weitgehend sicher fühlte, das erreicht mich nun über die „Social Networks“ – nicht unerwartet und unvorbereitet: die Attacken von mobbenden, spätberufenen Verteidigern der DäDäÄrr. Sie leben nicht in Schwedt an der Oder, Berlin-Lichtenberg oder Suhl in Thüringen, sondern seit ihrer Geburt im Westen, haben das bis heute merkliche Defizit an Konfliktkultur in der Bundesrepublik als persönliche Verfolgung, als Ungerechtigkeit, sich selbst als gedemütigte “Linke” in einer Welt des US-dominierten Kapitalismus, der integrierten Nazimitläufer empfunden: Helden höherer Moral in einer feindlichen Welt.
Nur wenige schafften es, durch einen Aufenthalt in Stuttgart-Stammheim die Brutalität zu beglaubigen, mit der “das System BRD” gegen seine Kritiker vorging. Die meisten wurden einfach Lehrer, Kleinkünstler oder Empfänger staatlicher Fürsorge. Es war nicht einfach, es nach Stammheim zu schaffen. Bautzen ging viel, viel leichter. Aber – mal ganz ehrlich: das hätten sie auch nicht ausgehalten, ohne hartgesottene Antikommunisten zu werden.

Noch nehme ich die mir von der guten alten Stasi vertraute Zuwendung  mit Humor. Die Posts solcher Leute sind von einer Schlichtheit, die sie mit Angestellten der SED-Kreisleitung Posemuckel auf gleiche Höhe bringt, was jeden 14jährigen Facebooknutzer zu Lachnummern inspiriert – aber der aggressive Furor ist unüberseh-, unüberhörbar. Wenn einer sich selbst nur einfach mal das Geschriebene vorliest, schwinden letzte Zweifel:

Kämen sie wieder zur Macht – sie liebten uns auf ihre Weise. Ohne Gnade.

Leben trifft Staatstheater

Die DDR nahm politisch und wirtschaftlich ein ruhmloses Ende. Kulturelle Kollateralschäden des totalitären Systems interessieren im Westen angesichts der Kosten der deutschen Einheit bis heute kaum jemanden. Theater, Verlage, Galerien, künstlerische Ausbildungsstätten wurden nach 1990 zu Orten, an denen SED- und Stasikader nur ausnahmsweise ihre Positionen verloren. Die Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf das Mediengeschäft; selbst dort konnten sich – wie Dutzende Fälle bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten beweisen – Karrieristen und Mitläufer behaupten. Wenn junge Menschen es in den erhaltenen und verbissen verteidigten Strukturen unternahmen, den Geist des konservierten Realsozialismus in Frage zu stellen, stießen sie auf erbitterten Widerstand. Bis heute ist etwa die Rolle der “Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch” in Berlin und des angeschlossenen Regieinstituts nicht hinterfragt, die Schauspielstars und ihre Lehrer von gestern mögen keine unbequemen Analysen. Im “Raketenschirm” waren sie unvermeidlich: Der Autor hat die Konflikte seit Anfang der 70er Jahre erlebt.

Während sich Gustav bis zum Frühsommer 1977 durch ein theorielastiges Semester quälte, hoffte er, dass im anschließenden dritten Studienjahr ihn endlich eine praktische Arbeit dem Beruf des Regisseurs ein wenig näher bringen würde als Vorlesungen und Seminare in marxistisch-leninistischer Philosophie, Theaterwissenschaft, Dramaturgie. Gemeinsam mit einem Kommilitonen wollte er zwei Einakter von Saul Bellow einstudieren; die Texte hatte er beim Henschelverlag ausbaldowert. Mit den bis dahin auf deutschen Bühnen ungespielten Stücken des Literaturnobelpreisträgers hofften beide, besonders gute Schauspieler der Berliner Bühnen für ihr Vorhaben ködern zu können: „Das Mal“ und „Orangen-Sofflé“ elektrisierten Gustav, denn es ging darin um sexuelle Obsessionen.

Hauptfigur in „Das Mal“ war ein Physiker. Der hochdotierte Wissenschaftler steckte in einer Schaffenskrise, er wähnte, durch die Wiederbegegnung mit einer Jugendfreundin, durch eine erlösende erotische Erfahrung neue Kreativität zu erlangen. Seine Phantasie hatte sich während der Pubertät an einem Muttermal des Mädchens entzündet; mit wachsender Leidenschaft versucht er nun, der inzwischen vierzigjährigen Zahnarztgattin beim tête-à-tête in der Lobby eines etwas heruntergekommenen Hotels auf den Leib zu rücken. Die Matrone hat dem Treffen, gelangweilt von der Ehe, geschmeichelt vom Interesse des berühmten Mannes, zugestimmt, will sich aber auf die absonderliche Neigung für das Mal an ihrem Oberschenkel nicht einlassen. Erst als der Herr Professor sie unterm Siegel höchster Verschwiegenheit in geheime staatliche Vorhaben einweiht, deren Gelingen von der erotischen Initialzündung abhängt, wird sie kirre. Der folgende orgiastische Akt geht im Einsturz des Hotels infolge eines Hurrikans unter.

Gustav dachte bei der Lektüre natürlich an Anton Fürbringer, dessen Muse die unwiderstehliche, tellerdrehende Russischlehrerin Gabi aus dem Studentenheim in Biesdorf gewesen war. Antons physikalischen Forschungen führten den wahrhaft staatstragenden Leistungssport der DDR nur deshalb zu neuen Goldmedaillen, weil Gabi ihn, die zuvor kaum wahrnehmbare Laborratte, zum Superstar der Sportgeräteforschung wachgeküsst hatte.

Neues vom Raketenschirm

Raketen für den Frieden

Raketen für den Frieden

Der Roman „Raketenschirm“ kommt voran. 1976 war ein spannendes Jahr: im September starb Mao Zedong.  Seither stieg das Land zur Weltmacht auf, die von der KP Chinas unerledigten Konflikte in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft gipfelten im Tian’anmen-Massaker 1989.  Ganz allmählich beginnen auch dem deutschen Otto Normalverbraucher (der ja eigentlich eine Erfindung der Statistik für die nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“ ist) die Chinesen etwas unheimlich zu werden. Was ist jetzt, fragt er sich, mit der Energie? VW fährt Riesengewinne ein (alle anderen Autokonzerne auch), weil Chinesen Hunderte Millionen Autos kaufen. Sogar elektrische. Der Strom dafür kommt aber aus Kernkraftwerken – aus immer mehr von den gefährlichen Dingern. Öl wird knapp, Gas wird knapp, die Kohle erschafft das reine Klimaelend, und in Deutschland sind wir aber sowas von vorbildlich mit AKW abschalten, Sonne anzapfen, Windräder bauen, Pflanzen (wir haben gelernt!) vergasen, Müll trennen, Rad fahren: da wird ’s langsam Zeit, den Schlitzaugen einen Ordnungsgong zu verpassen (Gong sollten sie verstehen)!

Ein erster Schritt: Wir schicken ihnen 100 000 in der Wolle gefärbte grüne Oberlehrer. Wenn das nicht reicht, setzen wir die Troika Trittin-Künast-Roth in Marsch. Per Raketenschirm.

Die spielen da nicht mit ? Die waren schon immer Raketengegner? I wo. Die waren nur gegen amerikanische Pershings. Die gute alte SS 20, von Leonid Breshnews Propagandatruppen als Friedensrakete etabliert, hat ihre politischen Ziele nie behindert. Nichtraucher und Vegetarier müssen sich sowieso durch in aller Welt verstreute Waffen aus russischer sowenig wie aus deutscher Produktion irritieren lassen. Vielleicht können die vom einstigen rotgrünen Tandem Schröderfischer fein gesponnenen russischen Connections die SS 20 als Druckmittel gegen Peking mobilisieren. Käme gut in den deutsche Medien – oder?

Die Welt – nach deutschem Vorbild erneuerbar! Die ganze! Mit ein paar von den Raketenhämmern wäre jeder Widerstand gegen saubere Volksenergie und saubere Luft in deutschen Kneipen endgültig zu brechen. Es lebe die Volksgesundheit! Nieder mit Rauchern und Freunden der Atomkraft! Antifa! AntiKKW! Wir schottern Castor, Pollux, morgen die ganze Welt!

Schreibe, um zu überleben – Déjà-vu!

 

Es war 1985. Mein Versuch, ein Off-Theater in Ostberlin, damals Hauptstadt der DäDäÄrr zu gründen, war von der Behörde verboten worden.

Spinner, Staatsfeind – frei auf eigene Rechnung

Im Tagebuch vom 29. Juli steht:

„Das Gefühl ABSOLUTER SCHUTZLOSIGKEIT als einziger Beleg (und Preis) für moralische Integrität – wie lange hält man das aus?
Entsetzlich: dieses Verwundern der Leute, dass man nicht konform geht, dass man nicht bereit ist, den Preis für Wohlstand und Erfolg zu zahlen. Sie achten – respektieren – nur den ERFOLGREICHEN Künstler, nicht den Künstler. Sie nehmen, was sie zur Selbstbestätigung brauchen und bemerken nicht den Selbstbetrug. (Wie sich unsere Gesellschaft in ihren Elitekünstlern selbst betrügt). Was für eine Verantwortung für die wirklich Großen: Widerstand über jede Koketterie hinaus!”

Das ist – Kernfragen von Uwe Tellkamps „Turm“, dem 2008 mit dem Deutschen Buchpreis bedachten Roman um 23 Jahre vorwegnehmend – ein Kommentar besonderer Art … Und dann fragt sich der nach Hinauswürfen und Verboten zur Untätigkeit Verurteilte, was bleibt:
„Das Wenige, das ich mir auferlege, ist meiner Angst geschuldet, …, die Konfrontation suchen, um nicht vereinnahmt zu werden, …, Leiden, um unempfindlich zu werden (wie unempfindlich bin ich schon?).“
Dann aber steht da mit roter Tinte:
„Verweigerung als die bequeme Möglichkeit, sein Teil Schuld nicht tragen zu müssen?“
Was für eine bizarre Frage angesichts der Tatsache, dass die an Brutalitäten und Rechtsbrüchen Schuldigen sich damals wie heute erfolgreich ihrer Verantwortung entziehen!