Die unsichtbaren Führer

Erwin_Schrödinger[2]Das ist Erwin Schrödinger, ein brillanter Autor und Physiker.

Verhältnismäßig wenige Menschen kennen ihn, noch weniger verstehen seine Quantentheorie. Sie hat gleichwohl und dank der Arbeit zahlloser Wissenschaftler und Ingenieure mit und ohne Namen unser Leben völlig umgekrempelt – für die meisten unsichtbar. Die digitale Welt von heute basiert auf Erkenntnissen der Quantenphysik und der Relativitätstheorie von Albert Einstein, gewaltige Lebensleistungen von vielen anderen skalierten sie zum Menschheitspotential wie einst die Physik Newtons und die Dampfmaschine James Watts.

Schaut einer darauf, welche Macht digitale Medien heute im Alltag haben, wird er über die Kluft stolpern. die sich zwischen dem Wissen, der Erfahrung und der Weltsicht eines Erwin Schrödinger und den Wahnideen von Quoten und Umfragen auftut, die sich heute für Wissenschaft ausgeben. Massenhaft laufen Menschen, den Blick starr aufs Smartphone gerichtet, Botschaften nach, deren Macher nicht einmal versucht haben, physikalische Essentials des Mikro- und Makrokosmos, geschweige des Universums zu verstehen. „Urknall“ ist für sie nicht mehr und nicht weniger als ein gut zu bebilderndes Feuerwerk mit einigem Geräusch. Sofern sie nicht der Quote dient, entledigen sich solche Medien der Wissenschaft und ihrer aufklärerischen Bestimmung, sie wird zum Etikett. Ihre Erkenntnisse dürfen – “heruntergebrochen” auf beliebig mangelhafte Wahrnehmung – von jedem Deppen in Dienst genommen werden. Jeder Depp fühlt sich folglich auf der Höhe der ihm vom fürsorglichen Redakteur übereigneten Wissenschaftlichkeit, noch wenn er im Supermarkt seine Karotten kauft.

Nein, ich rede hier nicht von den Dominanzbotschaften religiösen Wahns, denen noch die Kernwaffe zum Instrument ihrer heiligen Bessermenschlichkeit wird: Alle andern dürfen ausgerottet werden, ehe sie sowieso in der Hölle landen, das Paradies gehört den Glaubenskriegern. Ich rede nur vom Halbwissen einer Journaille, die “Erkenntnisse” nur dann aufsucht und publiziert, wenn sie zu ihrem Brötchengeber passen. Sie geht mit Konflikten dieser Welt lässig um, solange es keine Tarifkonflikte sind. Sie brandmarkt Übeltäter umso schonungsloser, je weiter sie davon entfernt sind, karriereschädlich zu wirken.

Solche Leute zeigen mit Fingern auf Trump, ihren eigenen Anteil an der Verblödung von Wählern blenden sie gewohnheitsmäßig aus: Sie werden dafür bezahlt. Der Donald im White House wird vermutlich dem Donald des Wahlkampfes so ähnlich sehen, wie der am Zaun des Kanzleramts rüttelnde Gerhard dem Agenda-2010- und Northstream-Profiteur. „Im engen Kreis verenget sich der Sinn, es wächst der Mensch an seinen größeren Zwecken.“ – meinte Schiller, und so wurden aus Kommunisten Nazis, aus der Physikerin Merkel die Totengräberin der deutschen Kernforschung, aus allen möglichen vermeintlichen Rettern und Retterinnen der Nation, der Umwelt, der Menschenrechte, der Frauen, Minderheiten, sonstwie Benachteiligten, kurz: den Weltverbesserern aller Rassen, Religionen und Ideologien normalerweise ziemlich erfolgreiche und mächtige Profiteure oder die Opfer der nächsten Wahnideen. Ja, es gibt Ausnahmen. Die meisten machten einfach ihre Arbeit, manche wurden dadurch sogar berühmt, obwohl sie keine Anpasser waren.

Vom Glück des Alterns

IMG_20161002_153302Müsste ich mich morgen aus dem Leben verabschieden, täte ich ’s mit einem Gefühl tiefer Dankbarkeit. Es war köstlich, Mühe und Arbeit waren erwünscht, die Liebste, die Freunde, die Wege durch Kunst und Wissenschaft, begleitet von sehr verschiedenen Menschen – Persönlichkeiten – beglückendes und erfüllendes Sich-Begegnen, konfliktreiches Geschehen: Fluss, Sturz und Rausch. So konnte ich meine Bücher schreiben, meine Filme und Radiofeatures machen. Wer immer mich kritisch begleitete, mich zu Veränderungen zwang, weil er gute Argumente hatte, mir die Leviten las, war ein Helfer zum Glück.

Das Altern sagt – auf andere Art als äußere Umstände nicht nur in früheren Jahren: Erkenne deine Grenzen. Die äußeren Umstände sind indessen – heute so wenig wie damals – nicht das Wichtigste. Mag sein, dass deine einstigen Hoffnungen nicht die der Jungen sind – so wenig wie die Hoffnungen deiner Eltern die deinen waren. Und das bedeutet: Halte deine Augen offen fürs Wesentliche. Falls doch einmal ein Kind oder ein heranwachsender, naturgemäß krisenanfälliger Mensch mit dem ganzen gewaltigen Gebirge der Zukunft vor Augen dich fragen sollte: Du kannst, musst ihn nicht von eigenen Fehlern abhalten, aber Hinweise auf Rettungsanker und verlässliche Wegweiser kannst du geben.

Ist es nicht eine wunderbare Aussicht, für solche Fälle aus Bücherregalen und Mediatheken schöpfen zu können, die ihren Wert im eigenen Erleben bewährt haben, einem Erleben, das von sich sagen kann: Ich möchte – auch und gerade wegen der Bauchlandungen – mit niemandem tauschen?

Helden

Callot_GalgenFür mich gibt es keine Geschichte. Für mich ist alles Gegenwart. Wenn Frauen die Nase abgeschnitten wird, weil sie einem Mann nicht zu willen sind, ist das Sklaverei in der Gegenwart, wenn Fußballer zu Nationalhelden werden, ist das Steinzeit in der Gegenwart, wenn „Wir sind Papst!“ oder „Wir sind Weltmeister!“ aus den Schlagzeilen knallt, ist das 19tes Jahrhundert, Kaiserzeit von Willem zwo oder Tausendjahrerreich mit unversenkbaren Panzerkreuzern und U-Booten. Wir sind irgendwie… Herren! Naja: der HerrInnen-Ehrgeiz passt schon dazu: die weltbesten Gender-Mainstreamer.

Jedenfalls sind das Wahnvorstellungen, die eines gemeinsam haben: den Wunsch nach Dominanz, möglichst weltweiter. Ob in muselmanischen Träumen, christlichem Missionseifer, kommunistischer Ignoranz: Nichts davon ist – trotz erwiesener Menschen-, Natur-, vor allem Lernfeindlichkeit – „vergangen“.

Das ist auch gut so. Für Freunde der Religion: Gott sei Dank! Für alle anderen: Weil menschliche Vernunft erfahrungsgemäß andauernd korrigiert werden muss.

Wir leben in einer Zeit, die meint, von allem sehr viel zu wissen, das Vergangene zu beherrschen, gar überwunden zu haben. Bibliotheken und online-Foren sind voll furioser Abrechnungen mit den Verbrechen und den Verbrechern der Vergangenheit. Die Deutschen insbesondere, weil sie sich in keiner andern als der Rolle des Musterschülers wirklich wohl fühlen, möchten gar zu gern als Vorbilder der „Aufarbeitung“ wahrgenommen werden.

Aber da ist nichts „aufzuarbeiten“. Die Toten bleiben tot, zerschmetterte Körper sind nicht reparabel. Ja, traumatisierte Seelen können trotz aller Verletzungen in ein erfülltes Leben finden – sie werden dabei nur ausnahmsweise erleben, dass Folterer, Vergewaltiger, Mörder, Spitzel, Denunzianten sich ihnen als reumütige Sünder zu Füßen werfen. Sie sollten keinesfalls darauf zählen, denn nach dieser Sorte Mensch gibt es eine unstillbare Nachfrage.

Gerüchte als Geschäftsmodell

Chinesisch für "Gerücht"700 000 $ (525 000 €) – so berichtet unter anderem der österreichische Standard – kostete es McDonalds und einen seiner Franchise-Nehmer, dass ein Kunde muslimischen Glaubens sich durch Werbung für ein Hühner-Sandwich getäuscht sah. Das Fleisch war nicht von „ḥalāl“ geschlachteten Hühnern, d.h. sie hatten ihren Kopf nicht nach islamischem Ritus verloren . Damit waren sie ungenießbar wie Schweine. Im November 2011 verklagte der Kunde die Fast-Food-Kette.

Die Klage hatte Erfolg; McDonalds zahlte außergerichtlich 15 000 € an den Kunden, den Rest erhielten muslimische Einrichtungen und die Anwälte. Alle sind zufrieden – der Konzern konnte sich das vermutlich locker leisten. Schwerer hatten ihn schon frühere Millionenzahlungen getroffen – wegen angeblich “vegetarischer” Pommes und unerlaubter Gratisbeigaben von Spielzeug zu Werbezwecken.

Immerhin ist der Erlös aus dem “unreinen” Sandwich erklecklich. Ein von mir wegen seiner Kommentare zum deutschen Qualitätsjournalismus geschätzter Blogger witzelte, das entspreche der DDR-Losung: „Aus jeder Mark, jeder Stunde Arbeitszeit, jedem Gramm Material einen höheren Nutzeffekt“.

Tatsächlich eröffnet sich hier eine ungeahnte Möglichkeit, Weltkonzerne zu schröpfen: Organisationen, die internetweite Boykotte auslösen können, indem sie – echte oder gefakte – Skandale “aufdecken”, haben gute Aussichten, dabei schöne Schweigegelder zu erlösen. Schon Plutarch fasste das Geschäftsprinzip in den Satz: “Audacter calumniare, semper aliquid haeret” – Nur keck verleumden, es bleibt immer etwas hängen. Kein noch so solventer Konzern schafft es, sich reinzuwaschen, ehe ihn ein Boykott, sei er auch unberechtigt wie der gegen Shell anlässlich der “Brent Spar”-Affäre, Millionen gekostet hat. Schweigegeld kommt billiger.

Im “Raketenschirm” wird erzählt, wie sich auf diese Weise Organisationen finanzieren. Sie segeln unter vielen verschiedenen bunten Flaggen in Richtung “bessere Welt”. Ihr Ziel ist, innerhalb kürzester Zeit Massen an Bord zu holen, sie virtuelle Schlachten gegen menschen- und naturfeindliche Popanze schlagen zu lassen, während sie – gut getarnt – vom sicheren Hafen aus Profite kassieren und den Kern ihrer Macht festigen.

“Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie?”, fragte einst Bert Brecht und weiter: “Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?” Seine dritte Frage wird beim Zitieren regelmäßig unterschlagen: “Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Einstellung eines Mannes?” Die Frage ließe sich ergänzen: “Was ist die Ermordung eines Mannes gegen seine Umerziehung zum Mitläufer?” Beides ist nicht rhetorisch: Ein Toter stört nicht, verursacht aber Aufwendungen. Ein Angestellter macht sich bezahlt – kostet allerdings immer noch mehr als einer, der sich Feinden gegenüber als besserer Mensch fühlen darf, weil er hehren Zielen nachjagt.

Die Rakete zündet – wo öffnet sich der Schirm?

Suhl - Blick aufs StadtzentrumMit großer Freude darf ich das Erscheinen des Romans „Raketenschirm“ ankündigen. Premiere ist am

14. März 2013, 19:30 Uhr im Buchhaus Suhl, Friedrich-König-Str. 22

Hier schließt sich der Kreis: das Bild zeigt mitten in der Stadt den grünen Hügel, auf dem “Bornmüllers Türmle” steht, Denkmal, Landmarke, literarischer Ort.

Mit „Raketenschirm“ endet die Romantrilogie „Wolkenzüge“; zugleich wird ihr erster Teil „Blick vom Turm“, der seit dem Sommer 2012 vergriffen und derzeit nur als E-Book erhältlich ist, neu aufgelegt. Der Premiere folgt eine Reihe von Lesungen und Veranstaltungen, beginnend am

  • 16. März 2013 anlässlich der Leipziger Buchmesse 13 Uhr in der Buchhandlung Hugendubel, Petersstraße 12.

Über weitere für 2013 geplante Termine u.a. im DDR-Museum Berlin, in der Stadtbibliothek Baden-Baden, der Stiftsbuchhandlung Nottuln halte ich hier weiter auf dem Laufenden.

Wer eine meiner Veranstaltungen besucht, darf  erwarten, dass auch der „Raketenschirm“ nicht einfach als Lesung starten wird. Stellen Sie sich einen unterhaltsamen Abend vor, bei dem Sie von Rollenfiguren aus Thüringen, Berlin, Sachsen, dem Ruhrgebiet und Baden auf eine Zeitreise durch 40 Jahre deutsch-deutscher Geschichte mitgenommen werden, zu „Literatur im Spiel“. Einen Eindruck davon gibt „ein Berliner Währungsspekulant“ in einem kurzen Videoclip aus „Babels Berg“, dem zweiten Teil der Trilogie.
Wer selbst „Literatur im Spiel“ in seiner Nähe erleben möchte, frage einfach direkt bei mir an oder kontaktiere mich über das Zeitzeugenportal.

Die Welt der Guten

Confucius_Tang_Dynasty“Die Leute”, sagt der weise Da Lao Hu (大老虎), “erzählen sich seit je gern Geschichten von der besseren Welt, in der die Bösen unterworfen sind. Dass in einer Welt mit Unterworfenen kein Frieden sein kann, kommt ihnen nicht in den Sinn, schon gar nicht, wenn sie zu den erfolgreichen Unterwerfern gehören.”

Kong Fu Tse (oder auch Konfuzius, Kong Fu Zi etc. – jedenfalls 孔夫子) hat nie die Unterwerfung getadelt, sondern auf ein harmonisches Einverständnis  zwischen Herrschern und Unterworfenen bestanden. Das war ein Verhältnis, welches ihm insonderheit gegenüber den Frauen gut gefiel. Als die westlichen Mächte im 19. Jahrhundert China militärisch demütigten, um ihre wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen, waren die ohnedies von feudaler Unterwerfung gepeinigten Chinesen nicht mehr sicher, welche Herren die schlimmeren waren. Sowohl die Harmonie im Kaiserreich als auch die mit den fremden Teufeln (洋鬼子)befreite sie nicht von Not und Elend. Es begann ein halbes Jahrhundert blutiger Kämpfe zwischen allen möglichen Warlords und ihren Parteien, mehr als ein Jahrzehnt grausamer Invasion und Unterwerfung durch die Japaner, an dessen Ende die Kommunisten sich als Unterwerfer des Bösen präsentieren konnten, da alle anderen – vor allem die fremden Teufel – der Bosheit zweifelsfrei überführt waren.

Mao Zedong konnte sich so sicher als Überwinder alles Bösen fühlen, dass er sich sogar mit den Propheten des Heils aus Moskau überwarf. Gemeinsam blieb den Großmächtigen beider Reiche und ihren Ideologen – Bertolt Brecht hatte für sie den Begriff “TUI” erfunden, kurz und verballhornend für “Tellekt-Uell-Ins”, er meinte damit Erklär- und Rechtfertigungsnutten – die Art, wie sie den Blutzoll für ihre Menschheitsbefreiung aus der Wahrnehmung verdrängten, damit Harmonie des Schweigens über ihre Untaten herrsche. Im Rausch der Macht gab Mao etwas leichtfertig die Argumentationshilfen des Kong Fu Zi aus der Hand, ließ ihn wie alle anderen Philosophen außer dem Großen Führer Mao Zedong aus dem kollektiven Gedächtnis tilgen. Das gelang nicht ganz. Aus diesem Misserfolg zumindest haben die Nachfolger gelernt: Was als Begründung eigener Gewalt ideologisch zu gebrauchen ist, verdient, wiederentdeckt zu werden. Das ist eigentlich eine simple Marktstrategie, meinetwegen auch Darwinismus krudester Form – es scheint zu funktionieren. Noch.

Dass Gewaltherrschaft ein Verfallsdatum hat – und zwar jede – wird vermutlich ebenso langsam verstanden werden wie die Tatsache, dass man niemand zu seinem Glück oder einer Harmonie in der Unterwerfung nötigen kann, ohne den Frieden dauerhaft zu verlieren.

Menschenfresser

MonsterZufall und seltsames Zusammentreffen: Ein Handlungsstrang des Romans spielt in einem Internat in Thüringen, es gibt ein reales Vorbild, Wickersdorf mit langer reformpädagogischer Vorgeschichte. Meine Informationen zum Hintergrund verdanke ich persönlichen Kontakten, sie sind unbezweifelbar: In Wickersdorf (nicht nur dort) wurden während der DDR-Jahre Halbwüchsige als Stasi-IM angeworben, minderjährige Mädchen von ihren Führungsoffizieren sexuell missbraucht. In meinem Roman geschieht dies zwischen 1974 und 76 einer Schülerin namens Kerstin.

Gestern zeigte die ARD eine Dokumentation über  eine Frau namens Kerstin – sie wurde in den 80er Jahren in Wickersdorf angeworben. Sexuelle Übergriffe blieben ihr anscheinend erspart. Nachdem sie die Schule verlassen, ihr Studium in Jena begonnen hatte, konnte sie sich der Stasi-Verstrickung entziehen. Der Kerstin im “Raketenschirm” gelingt das nicht – es hat für sie furchtbare Folgen.

Welche seelischen Zerstörungen  Jugendliche erlitten, wenn sie von den “Tschekisten” beobachtet, unter Druck gesetzt, als Spitzel ausgenutzt wurden, schilderte der ARD-Film auch anhand eines anderen Schülers aus Dresden; sein Leben ist infolge der “Zersetzungsmaßnahmen” aus dem Jahre 1988 bis heute versehrt. 1990 habe ich in einem Hörspiel für den RIAS die Geschichte einer Abiturklasse erzählt, in der jugendliche Liebe, jugendliches Vertrauen, am Ende ein Menschenleben am Alltag des Mauerstaats zugrunde gehen.

So lange Mitläufer und stillschweigend Mitwirkende wie der seinerzeitige Direktor des Internats Wickersdorf das Geschehene als Normalität beschönigen, so lange das SED-Regime, seine ideologischen Fundamente und seine Herrschaftsmethoden verharmlost, gar für gesellschaftspolitische Neuorientierungen nach links herangezogen werden, muss jeder einzelne Fall, jedes einzelne Schicksal uns mahnen: Die Menschenverachtung dieses “real existierenden Sozialismus” zerstörte nicht nur in Folterkellern und Gefängnissen Vertrauen, Moral, Gesundheit. Das soll niemals vergessen werden.

Die Dokumentation in der ARD gestern knüpfte an die Tugenden journalistischen Engagements für die Demokratie an – sie entsprach dem Auftrag des Grundgesetzes. Es gilt seit 21 Jahren in ganz Deutschland, im Alltag aber wird es von allzu vielen missachtet: Sie ziehen organisiertes Mitläufertum den Mühen persönlichen Einsatzes für die Freiheit anderer vor. Und deshalb ist es kein Zufall, dass sich unter Deutschlands Internaten in Ost und West Schreckensorte finden, wo junge Menschen fürs Leben Schaden nehmen.