Ostberlin 1985 – schon vergessen?

U-Bahn von Pankow nach Alex, unten das WC

U-Bahn von Pankow nach Alex, unten das WC

Wo sich – von Stasispitzeln umsorgt – die „Literaturszene“ des Prenzlauer Bergs sammelte, auch die Szene der Homosexuellen und DDR-Lesben, auf deren Homepage sich das Foto findet, war es schräg, aber nicht lustig, heiter nur ausnahmsweise, Sarkasmus half. So entstand – ohne Aussicht, je veröffentlicht zu werden – folgendes Feuilleton:

WC


Das Café liegt an der Schönhauser, ungefähr auf halber Strecke zwischen Buchholzer und Stargarder Straße. Bei Stammkunden heißt es „WC“ und das kommt der Wirklichkeit näher als „Wiener Café“ , denn es riecht hier nach Trieb und Hoffnungslosigkeit, es ist ein Ab- Ort, ein Ort von Abseitigen und Abseitigem, eine ungeliebte aber unvermeidliche Stelle: man hat längst keine Lust, dort hinzugehen, aber es bleibt einem gelegentlich nichts anderes übrig. Fast jeder, der hierher kommt, muss etwas loswerden, mancher gar in exhibitionistischer Pose; Abprodukte geistigen und psychischen Stoffwechsels werden entladen, „Frust“ heißt das und wird weg- und hinuntergespült und gärt und reagiert weiter im Zusammenströmen, bildet kurzlebige Verbindungen, schillernd, quellend, Blasen platzen. Je nach Tageszeit fließen Rinnsale oder Ströme von Kunden zu, verlaufen sich im Unterirdischen der Großstadt, wenn um Mitternacht Schluss geboten wird.
Eine Fotoreproduktion eines Merian- Stiches vom alten Wien bedeckt eine Wand; den Schmutzablagerungen nach ist sie zur Entstehungszeit des Originals angeklebt worden.
Das Mobiliar ist von vollendeter DDR-Tristesse, der Kaffee verdient seinen Namen so wenig wie das ganze Lokal, das Bedienungspersonal hat Wienerisches nur, wenn es raunzt oder grantelt: preußischer Charme und Wiener Ordnungsliebe.
Kein Pianist bedient den alten Flügel unterm geräucherten Fotopanorama, kein Stehgeiger fiedelt sich durch. Wenn jemand – geübt oder ungeübt – in die Tasten greift, wird ihm das vom Personal ebenso harsch verwiesen, wie das Umstellen von Stühlen. Mineralwasser wird aus Geschäftsinteresse nicht serviert, ebenso wenig Schoppen preiswerter Weine. Der Laden ist immer aufs Ekelhafteste verqualmt, im Sommer stickig, im Winter zugig, weil doch ab und zu einer ein Fenster öffnen muss , damit er es bis zum Feierabend aushält, kurz: der Ort ist elend, trist und ungemütlich, das Angebot erbärmlich, der Name ein schlechter Witz – aber es ist fast immer brechend voll.
Weshalb kommen die Leute hierher?
Wegen der Leute. Die bunten Frauen wegen der verkannten Genies, die verkannten Genies wegen der bunten Frauen oder die bunten Frauen wegen der bunten Frauen – aber niemals die Genies wegen der Genies.Es gibt da einen vom Alkohol furchtbar zugerichteten Architekten, er war ganz oben, als die Stalinallee die neue Ära sozialistischer Baukunst markieren sollte; jetzt unterhält er, sich von Tisch zu Tisch hangelnd, mit alkoholischen Wirrsalen Punks und schwarzes Leder, Mädchen in uralten Fräcken oder Bratenröcken, Tätowierte oder haarkünstlerischen Exzessen verfallene Paradiesvögel, trübe Weltverbesserer, smarte Schwule, Dichter so dünnhäutig wie unbekannt, und wenn der Eichstrich erreicht ist, finden sich aus ihren Reihen, die den in Hockstellung verklumpten Schnapsleichnam nach Hause tragen.
Vor dem Tiefstgesunkenen schweigt der Konkurrenzneid: dieser ist konkurrenzlos erledigt, ein aggressiv aber wirkungslos schwafelndes Plüschtier, von niemandem mehr verachtet. Denn trotz des scheinbar duldsamen Nebeneinanders so vieler unterschiedlicher Typen, Charaktere und nur ihrem Äußeren nach zusammengehöriger Gruppen gibt es hier viel gegenseitige Geringschätzung. Führt auch der warme „WC“-Mief die Außenseiter und im Realsoz zu kurz gekommenen zusammen: schnell, wie ein Lidreflex von außen schützend, fällt Eisig-Feindliches innen vors Auge, wenn ein herzlich unwillkommener Bekannter erkannt und abgetan wird.
0 deutsche Sehnsucht nach Erlösung in Konformität, konform noch in den Formen des Nonkonformismus.
Dazwischen ein verirrter Bürger mit Bügelfalten.

„Was will’n der hier ???“
„Stasi“.
„Quatsch, schwul.“
„Stasi und schwul!“
Irgendwann kommt der Tag, wo die Tür krachend aufschlägt. Dann schwebt die Schneekönigin in weißem Tüll herein, einen Zylinder aus frostsprühenden Kristallen im himmelblauen Haar. Eisiger Hebel ist um sie herum, ihre Schritte knirschen Rauhreif ins abgelatschte Linoleum, winzige Füßchen in gläsernen Sandaletten, ihre Augen: schmelzendes Eis in einem See 7000 m überm Meer, Brillantsplitter auf den Wimpern, ihre Brauen die Grate des Eisgebirges, auf der Stirn schlummert ein Wintergewitter. Ihr Mund schwillt hellrot vom Herzblut der Opfer mitten in der arktischen Landschaft. Der Bürger sitzt unterm Tisch und spürt das Stahlrohr des Möbels magnetisch werden vor Kälte: wir nähern uns unaufhaltsam Minus 275,15°C, sein Herz ein Klumpen Trockeneis. Räuspert sich wer? Redet der vom hellen Gesicht Geblendete Verlegenes, während die spöttischen Blicke der Insider auf ihn niederklirren? Schmutzige Schneebälle fliegen ihm ins Gesicht, aber da sitzt er schon wieder, Rücken gerade und der Supermann (Apoll?), Meister aller Klassen der Männerwelt brennt der kühlen Märchenfee an seiner Statt, stellvertretend, repräsentativ, Löcher ins Glatte: zwei in die Basis, sieben in den Überbau, das historisch-materialistisch geschulte Denken bringt ihn ins Gleichgewicht, er ist gerächt. Die anderen haben den Actus – so oder so ähnlich – längst voll-
bracht, aber nun ist er unter ihnen nicht länger verloren: Männersolidarität.
Und doch – Eisprinz sein, sei es für kurz, hieße alle unter den Füßen lassen, die Sonne sehen von der Höhe ewigen Eises, baden im mörderischen Licht, die Schwärze des Kosmos ganz nahe, überm hauchdünnen Blau…
Die Königin ist längst vorüber, und hämischer Atem flickt flirrenden Flocken am Zeug, bis sie zu lauen grauen Tränen zerrinnen.
Das. „WC“ ist geschlossen. Es wird rekonstruiert, die schmuddelige Gemütlichkeit von nobler, neureicher Langeweile vertrieben. Die Legende sagt, dass das Verhältnis zwischen Gästen und Personal in den letzten Tagen voll wehmütiger Freundlichkeit gewesen sei, und am letzten Abend haben alle auf Treppen und Fußboden gesessen und zur Musik vom alten Flügel gesungen und getanzt. Vielleicht öffnet dieses Jahr das „Wiener Cafe“, aber wir werden uns dort nicht wiedersehen.

You tube für die Eine Welt

Javanischer Bauer pflügt mit Ochsen

Bauer im Dürregebiet auf Java

Seit gestern online: das Film- und Bürgerportal ”Human Pictures”. Wer engagierte Filme, Videos , Fotos – sei’s auch nur vom Handy – hochladen möchte, die ein besseres Zusammenleben von Menschen und Völkern zum Ziel haben: Hier ist der richtige Platz. Zitat aus der Plattform:
”In welcher Welt möchten Sie leben? In einer, wo niemandem etwas passieren kann, weil es eine perfekte Kontrolle gibt, oder in einer, wo jeder seinem Mitmenschen vertrauen kann, weil fast alle sich an Werten wie Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein orientieren?
Gefiele Ihnen ein perfekt funktionierendes System besser – mit vollkommener Gerechtigkeit – oder ein Gemeinwesen, in dem jeder aus Fehlern lernen darf, sich aber auch nicht vor schwierigen Aufgaben drücken muss?”

Lebewohl

Großmutter

Transparenz des Alterns

Die Sonne seh ich wandern durch mein Zimmer
Gesichte, Düfte, Laute lass ich ein
Ins träge, wolkenhafte Einsamsein.
So wünsch ich mir die Sommertage immer.

Im Schatten krummgewachsener Fachwerkgassen
Den Blättern lauschend unterm Lindenbaum
Schmeck ich den kühlen Quell im Fiebertraum
Kann deine weich und rauhe Hand erfassen.

Die Rosenblüten sagen: es ist Zeit
Und Gräser nicken uns ihr Lebewohl.
Was niemals blüht, ist keinem Tod geweiht
In jedem Augenblick ist Ewigkeit
Das Flüchtigste ist unser Ruhepol.

Dom zu Naumburg

Mosaikbild von anna Knauth 1855

Annas Fenster 1855

Du stiller Schatten. Kerzenduft, verbannt
Noch duftend nach verwehter Hoffnung
Heimlichen Wünschen, Träumen, barmender Verzweiflung
Nach meiner Ahne ahnendem Erschauern.

Du Stein. Du höchste Kunst in höchsten Nöten
Du Botschaft, wundersam und unerhört.
Du Friedensschauplatz, unruhvoller Hafen
So fern den Meeren, nah den Galaxien
So voll Gesichter, Stimmen, Sinfonien
Ich wünscht’ in dir den letzten Schlaf zu schlafen.

Fortsetzung folgt

Brunnen unterm Lindenbaum im Schwarzwald

Sommernacht - Lesenacht

Allen, die gekommen waren, war’s ein Vergnügen, allen, die mitgeholfen haben, eine gelungene Arbeit. Das „Badische Tagblatt“ bestätigte in einem Artikel am 21.8.  den Veranstaltern den Erfolg. Deshalb wird die Reihe „Leben Lesen“ fortgesetzt mit noch mehr guten Texten von hoffentlich vielen Interessierten Autoren, Geschichtenerzählern, Musikern.
from immediator.de
Leben Lesen am 19.8. 19 Uhr

Literaturabend im Schwarzwald

Jugendzeit und Sommernachtsträume

Der Erinnerung die Zügel lassen, träumen, was war – oder hätte sein können. Das ist der Stoff, aus dem Romane werden.

Wer Lust hatte, Geschichten zu hören, selbst eine Geschichte zu erzählen, war eingeladen zu einem Sommerabend mit Literatur und Musik, umgeben vom schönsten Schwarzwaldpanorama weit und breit. Immerhin 25 Literaturfreunde kamen, darunter der 90jährige Autor Georg Polomski, der mit seinem Humor in Gedichtform und durch eine ansteckend fröhlich vorgetragene Kurzgeschichte die Zuhörer beeindruckte. Gregor Goller las eigene Gedichte; besonnene Poesie wechselte mit Witzigem im Stil von Heinz Erhard.
Die Buchhandlung Wild präsentierte zum Thema passende Bücher; nach der Gesprächsrunde traf sich eine gesellige Runde in den nahe gelegenen „Eckbergstuben“, um weiter zu plaudern.
Der Abend war ein gelungener Auftakt zu weiteren Veranstaltungen dieser Art unter der Überschrift „Leben Lesen“
Read more at immediator.de
See this Amp at http://bit.ly/bU3qs2

Worauf ich mich freue …

Der Verlag macht wieder ein schönes Hardcover – Teil zwei der Reihe.

Aufstiege und Abstürze

Mondlicht und Hexenwerk …
..wieso Männer und Frauen perfekt nicht zueinander passen

Die abenteuerliche Zeit des „Wandels durch Annäherung“

Alles ist möglich: Menschen landen auf dem Mond, zwischen West- und Ostberlin kann man wieder telefonieren, ein Diskus fliegt kilometerweit, ein Deutscher bekommt den Friedensnobelpreis, in einer Thüringer Kleinstadt gibt es das europaweit beste Japan-Restaurant: Anfang der 70er Jahre sprechen viele Zeichen für Aufbruch, Fortschritt – und unbegrenztes Vergnügen bei erotischen Abenteuern jenseits der Familienplanung.

Gustav Horbel aus Lauterberg ist in der Hauptstadt Berlin gelandet, um Physik zu studieren, denn er ist sehr neugierig darauf, was die Welt im Innersten zusammenhält. In Berlins Straßen, in Bars und Theatern, im Thüringer Wald und in den Reichsbahnzügen dazwischen lernt er dann viel mehr darüber als in Labors und Hörsälen. Während er mit Prüfungen an der Universität wenig Scherereien hat, macht er in den Prüfungen des Lebens keine besonders gute Figur, er will einfach zu hoch hinaus. Ob das am Geist dieser 70er Jahre liegt, in denen alles möglich scheint?

Zwischen Traum, Wahn und Wirklichkeit stolpert Gustav durch eine bewegte Zeit. Gott sei Dank nimmt ihn immer wieder jemand bei der Hand, manchmal ein berühmter Mann, manchmal die schönste Frau der Welt.

Probelesen können Sie jetzt schon, „Babels Berg“ erscheint im Herbst 2010 im Salier Verlag Leipzig

Read more at immediator.de

Sommer

Rosenblüte, rot

Blühen und Vergehen

Sommer
Komm, meine Sonne, tränke meine Haut
mit Lichtgefühl, durchdringe meine Lider,
erweck die Düfte aller Sommer wieder
und alle Blüten, die ich je geschaut.

Mach aus der Zeit ein kosmisches Gewebe
und schmilz die Uhren ein zu schwarzem Schaum.
Zieh mich auf deiner Bahn zum Weltensaum,
mach mich zum Augenblick, in dem ich lebe.

Tags: Gedicht,

Windsbraut

Das Gedichtchen stammt aus meiner Studienzeit – Anfang der 70er Jahre in Berlin, als ich sehr verliebt war und verwirrt. Einiges davon findet sich in „Babels Berg“

...was die Welt im Innersten zusammenhält ...

...was die Welt im Innersten zusammenhält ...

Ein Apfelsinenmond lugt zwischen Ästen

Mit Frühlingsahnung kokettiert der Wind

Spielt mit dem S-Bahn-Rattern aus dem Westen

Er wirft mit Staub und macht uns beide blind.

Das schadet nichts, wer küsst braucht nichts zu sehen

Und zaust er unsre Haare noch so sehr:

Nur Wetterhähne lassen leicht sich drehen

Ein Liebespaar verträgt schon etwas mehr.

Chinas Gesichter – eine Welt

China: Alltag der Riesen, der Zwerge und wundersamer Verwandlungen

Wenn jemand für ein einziges Buch den Literatur-Nobelpreis verdiente, dann Liao Yiwu.
“Fräulein Hallo und der Bauernkaiser” fasst das Drama des totalitären China auf so einzigartige, unwiderstehliche Weise in Worte, dass sich mir jede Beschreibung des Inhalts verbietet. Lesen Sie es! Sie werden ahnen, mit welcher Wucht sich das Riesenreich in die Weltgeschichte einbringt – nicht nur in die Wirtschaft, sondern vor allem in die Kultur. Wir können nur hoffen, dass dieses in jeder Hinsicht gewaltige Geschehen, dessen Zeugen wir werden, von Stimmen wie der des Liao Yiwu begleitet, dass diese Stimmen überall gehört werden.
Sein Buch hilft – über alle Grenzen von Sprache und Kultur hinweg – die eigene Schwäche, Blindheit, Verlorenheit zu spüren, vielleicht, sie zu überwinden.
Wang Xilin, Revolutionssoldat, später als Komponist gedemütigt, gefoltert, an den Rand des Wahnsinns getrieben, sagt in einem der Gespräche, aus denen das Buch besteht: “Meine Musik hat keine Zärtlichkeit, da ist nichts Bourgeoises, sie ist ein großer, lackschwarzer Teich, alles Umliegende wird in ihn hineingefüllt, Tränen, Blut, Schlamm, Seufzer, Schreie, mit all dem ist der See angefüllt, sagen Sie selbst, wie sollte er nicht schwer und tief sein?”
Die Geschichten dieses Buches sind bei aller Schwere, Tiefe, bei allem Schmerz doch auch leicht und zärtlich und voll Humor.
Den Übersetzern Hans Peter Hoffmann und Brigitte Höhenrieder ist zu danken, dass all das in der deutschen Fassung erlebbar wird.

Liao Yiwu “Fräulein Hallo und der Bauernkaiser”, S. Fischer Verlag 2009, 539 Seiten, 22,95 €

Management by Lenin

Titelbild

Gewalt Macht Lust: die Dreifaltigkeit des Terrors

„Was war der Kommunismus?“, fragt Gerd Koenen im Titel seines schmalen aber äußerst gehaltvollen Buches und gibt auch gleich Auskunft über den Sinn der Fragestellung: In der Vielgestaltigkeit seiner Strömungen erkennt Koenen den alle Kommunistischen Parteien einigenden Grundimpuls – es gab nicht mehrere „Kommunismen“ – und er konstatiert, dass sich dieser Grundimpuls ebenso erledigt hat, wie die Parteien, die ihn im Namen führten und führen.

Kenntnisreich, tiefgründig, einsichtig legt er Eigenarten und Entwicklungen des Kommunismus zwischen seinem Kernreich, der UdSSR, und China, Südamerika, Europa dar. Die Genesis der bolschewistischen Herrschaft in Russland, die Versuche, weltweite Bewegungen in Gang zu setzen, das Scheitern an ökonomischen Aufgaben, die totalitäre Ausprägung von Macht als universeller Geheimhaltung und allgegenwärtigem Terror, der sich nicht nur gegen den „Feind“, sondern in blutigen Säuberungen immer wieder auch gegen die eigene Elite richtet: Koenen liefert sowohl die Übersicht wie auch die Analyse des systemischen Geschehens.

Das Wichtigste ist indessen, dass Koenen von Anfang an die systemischen Durchdringungen des Kommunismus mit dem Kapitalismus im Auge hat und überzeugend darlegt, wie Denkweisen, Strategien, Wendungen und „Reformen“ beider sich gegenseitig bedingen. Was sich als sein Antipode ausgab – und aus diesem Anschein heute noch Anziehungskraft auf Gegner einer hemmungslosen globalen Marktwirtschaft bezieht – ist in Wirklichkeit ein Gewächs des Kapitalismus; es basiert und funktioniert auf gleichen politökonomischen Wechselwirkungen.

Wie sich in ihm mechanische Denkmodelle mit despotischen Herrschaftsformen paaren, lässt sich an der Leninschen These „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ studieren, die dem Menschenbild des Managements weithin immer noch zugrunde liegt. Zwanzig Jahre nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Machtblocks, mitten in der schwersten Krise der Finanzmärkte und der Währungssysteme stellt sich immer noch die Frage, ob Marktwirtschaft und Demokratie es schaffen, auch diese wichtigste Umwälzung zu überleben: hin zum Menschen.

Im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht 2010, ISBN 3525323018