Winterlicht und Sommertraum

Erster Schnee - gestreutes Licht

Auf einmal ist da dieses besondere Licht.
Wir haben etwas zu lange geschlafen heute morgen – vielleicht hat dieses Licht schon die Träume verwandelt, sie trugen mich jedenfalls in die seltsamsten menschlichen Ansiedlungen. „Balkan“ ist ein Gedankenkommentar, dort finden sich Häuser zwischen grünen Hügeln, die sich ein Hundertwasser phantastischer nicht hätte ausdenken können: windschief, wie ineinander gewachsen, überwuchert von Moosen und Sträuchern, einige mit offenen Seitenwänden – der Blick auf ein Prangerritual liegt frei: Einem jungen Menschen, nicht erkennbar ob Mann oder Frau, wird ein Kübel Mehl über den Kopf gekippt, Gejohle ist sicht- aber nicht hörbar, auch scheint der Bepuderte nicht zu leiden, schüttelt sich nur.
Schon wandert der Blick weiter in ein Straßen- und Wegelabyrinth, irgendwo muss mein Motorrad stehen, verzweifelt suche ich nach dem Zündschlüssel, denke aber dann beruhigt, dass die gute alte ES auch mit einem Schraubenzieher zu starten sein wird …
Wird man je aus den Träumen Filme extrahieren können? Nein. Höchstens allerlei Signalsalat, so wenig detailgenau wie eine Beschreibung des Traums aus dem Erinnern. „Strange Days“ bleibt eine – nicht wenig beunruhigende – Utopie.

Vom tiefen Atmen

Blick auf Baden-Baden vom Annaberg

Welche Lust ... den Atem frei zu heben!


Am Mittwochabend stellte sich der Baldreit-Stipendiat Catalin Dorian Florescu den Baden-Badenern im Spiegelfoyer des Theaters vor. Sympathien erwarb er sich vor allem durch seine ehrliche und unprätentiöse Art, von der Arbeit des Schreibens zu sprechen, von der „Selbstbeauftragung“ als Risiko und Privileg eines Da-Seins, das nicht fremden Zielen nachjagen muss, sondern sich der eigenen Bestimmung in der Welt zu vergewissern sucht, indem es sich intensivstem Erleben mit anderen Menschen ausliefert.
Als Anlass fürs Nachdenken über den Beruf reichte ein wackeliger Tisch.
„Mein Tisch wackelt eigentlich immer“, meinte Catalin. Dass das Vertrauen auf vermeintlich sicheren Boden unter den Füßen sich selten einstellen will, ist eine für Autoren so alltägliche wie unerlässliche Erfahrung: die Angst, dem Anspruch ans Schreiben nicht zu genügen, das Publikum nicht zu erreichen, ist immer da. Dass nur wenige Schriftsteller von ihrer Arbeit auskömmlich leben – es sind nicht einmal die Besten – hat aber Catalins Entscheidungen zum Schreiben ebensowenig infrage gestellt wie meine.
Der gebürtige Rumäne und der Thüringer teilen – trotz des Altersunterschiedes von 17 Jahren – noch eine spezielle Ansicht: die Verantwortung fürs eigene Denken und Tun lassen wir uns von totalitärer Staatsgewalt so wenig nehmen wie vom Konformitätsdruck des Quotenwahns.
Dafür durfte ich heute wieder für zwei Stunden einfach um die Bäderstadt herumwandern, tief Luft holen und mich daran freuen, wie sogar der November schön ist.

Interview am Startplatz

Interview in "Freies Wort" - zum Lesen anklicken

Interview in "Freies Wort" - zum Lesen anklicken

Lilian Klement hat mich anlässlich der Buchpremiere von „Babels Berg“ auch zum dritten Teil der Trilogie befragt. Am 4.11. erschien das Gespräch in der Regionalen Zeitung; nebenbei erfuhr ich, dass drei Verkaufstage genügt hatten, „Babels Berg“ zum Bestseller im Oktober zu machen. Großes Dankeschön an meine Verleger Hans Jürgen und Bastian Salier und an die Buchhändler-Familie Waniek.

Dichtung und Wahrheit

Der arme Poet

Penthouse oder Mansarde?


Wenn es mit dem Geldverdienen wieder einmal gar nicht klappt, einem obendrein liebe Kolleginnen und Kollegen in den Ohren liegen, man möge ihnen doch Tipps geben, wie sie mit welchen Beiträgen bei welchem Sender, Verlag, …. (beliebig zu ergänzen durch andere Auftraggeber) landen und somit oder durch Inanspruchnahme öffentlicher Fördergelder instand gesetzt würden, ihre Rechnungen zu bezahlen, dann, ja dann ist es wieder einmal Zeit, sich in eine ruhige Ecke zu setzen mit einem Glas Rotwein, einer Zigarre oder einer Pfeife voll guten Rauchtabaks und etwas zu dichten.

Etwas, das niemandem gefallen muss, außer einem selbst, etwas das keinerlei Applaus noch sonst irgendeinen kurzfristige Nutzen verspricht, sondern einfach nur der Freude am Gelingenden dient. Natürlich ist diese Freude, diese kurzfristige Abwendung von Leistungsmessungen aus dem “Markt”, diese Hinwendung zu sich selbst auch von Nutzen, vermutlich sogar von ziemlich nachhaltigem. Sie erhöht die Lebenserwartung. Messbar ist das nicht, die Messung aber schon deshalb unsinnig, weil eine Lebenserwartung rein quantitativer Art, beziffert nach Lebensjahren, -wochen, –tagen, –stunden, –minuten, –sekunden ja zurück in die Falle der Leistungs- und Quotenwelt führte, geradewegs zur Zwangsvorstellung vom Pharmavertreter, der mit der Stoppuhr neben dem Sterbelager wacht.

Es ist Erwartung an Leben selbst – nur und ausschließlich am Wohlgefühl messbar, in der Welt zu sein, just mit den Erfahrungen und den Ausdrucksformen, die einem zu eigen sind.

Das ist der Nutzen des Dichters – oder?

Seltsame Texte

Immo 1982

Spinner, Staatsfeind: frei auf eigene Rechnung

Es war 1985. Mein Versuch, ein Off-Theater in Ostberlin, damals Hauptstadt der DäDäÄrr zu gründen, war von der Behörde verboten worden.
Im Tagebuch vom 29. Juli steht:

„Das Gefühl ABSOLUTER SCHUTZLOSIGKEIT als einziger Beleg (und Preis) für moralische Integrität – wie lange hält man das aus?
Entsetzlich: dieses Verwundern der Leute, dass man nicht konform geht, dass man nicht bereit ist, den Preis für Wohlstand und Erfolg zu zahlen. Sie achten – respektieren – nur den ERFOLGREICHEN Künstler, nicht den Künstler. Sie nehmen, was sie zur Selbstbestätigung brauchen und bemerken nicht den Selbstbetrug. (Wie sich unsere Gesellschaft in ihren Elitekünstlern selbst betrügt). Was für eine Verantwortung für die wirklich Großen: Widerstand über jede Koketterie hinaus!

Das ist – Kernfragen des Buches vorwegnehmend – ein Kommentar besonderer Art zu Tellkamps „Turm“. Und dann fragt sich der nach Hinauswürfen und Verboten zur Untätigkeit Verurteilte, was bleibt:

„Das Wenige, das ich mir auferlege, ist meiner Angst geschuldet, …, die Konfrontation suchen, um nicht vereinnahmt zu werden, …, Leiden, um unempfindlich zu werden (wie unempfindlich bin ich schon?).“
Aber dann steht da mit roter Tinte:
„Verweigerung als die bequeme Möglichkeit, sein Teil Schuld nicht tragen zu müssen?“
Was für eine bizarre Frage angesichts der Tatsache, dass die an Brutalitäten und Rechtsbrüchen Schuldigen sich damals wie heute erfolgreich ihrer Verantwortung entziehen!

Ende der Depression

Titel des Buches von Noe

Wegzeichen der Philosophie


Manchmal scheint einem, als fielen die wichtigen Publikationen über einen her – genau dann, wenn man ihrer am meisten bedarf.
Ein Auftrag zu einem Feature von einer Redakteurin des SWR war mit dem Hinweis auf Alva Noes „Du bist nicht Dein Gehirn“ verbunden; das Buch erwies sich als hochintelligente Fortführung philosophischer Diskurse, die sowohl in „Der menschliche Kosmos“ Denkanstöße sind, wie auch als Gedankenexperimente in „Babels Berg“ auftauchen, wo der Physiker Anton Fürbringer ihnen nachgeht.
Dann kam vom Verlag als Rezensionsexemplar Ines Geipels „Seelenriss“ ins Haus. Die Stärke dieser Autorin ist, Geschichte und die strukturierenden Muster von Sozialverhalten in lebendiges Miterleben zurückzuführen; ihre Berichte von der „Volkskrankheit Depression“, deren pandemisches Wachstum jede Schweine- oder Vogelgrippe zum Hühnerauge der Medizinhistorie schrumpft, sind packende Beweise für die Auffassung „Der Körper in seiner unablässigen, untrennbaren Interaktion mit der Welt ist die Seele“. Ja. Und Krankheiten der Seele sind Krankheiten der Welt.
Buchcover

Mehr als ein Thema für die Pharmaforschung

Ermutigung mit Zeitzünder

Es hat zwar ein bisschen gedauert, aber wenn nach vier Jahren ein Buch so gelobt wird, wie „Der menschliche Kosmos“ jetzt vom wirklich sachkundigen Andreas Zeuch auf „psychophysik.com“, dann ist es ein deutliches Zeichen für die Frische der Texte und ein Grund zur Freude:
„Wer sich von – wie es auf dem Buchrücken selbst lautet – „Fundsachen“ inspirieren lassen kann, wird reich belohnt. Und wer dann noch bereit ist, die „praktischen Übungsstückchen“ zu erkunden, wird aus eigener Erfahrung Neues lernen können.“

Fortsetzung folgt

Brunnen unterm Lindenbaum im Schwarzwald

Sommernacht - Lesenacht

Allen, die gekommen waren, war’s ein Vergnügen, allen, die mitgeholfen haben, eine gelungene Arbeit. Das „Badische Tagblatt“ bestätigte in einem Artikel am 21.8.  den Veranstaltern den Erfolg. Deshalb wird die Reihe „Leben Lesen“ fortgesetzt mit noch mehr guten Texten von hoffentlich vielen Interessierten Autoren, Geschichtenerzählern, Musikern.
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Leben Lesen am 19.8. 19 Uhr

Literaturabend im Schwarzwald

Jugendzeit und Sommernachtsträume

Der Erinnerung die Zügel lassen, träumen, was war – oder hätte sein können. Das ist der Stoff, aus dem Romane werden.

Wer Lust hatte, Geschichten zu hören, selbst eine Geschichte zu erzählen, war eingeladen zu einem Sommerabend mit Literatur und Musik, umgeben vom schönsten Schwarzwaldpanorama weit und breit. Immerhin 25 Literaturfreunde kamen, darunter der 90jährige Autor Georg Polomski, der mit seinem Humor in Gedichtform und durch eine ansteckend fröhlich vorgetragene Kurzgeschichte die Zuhörer beeindruckte. Gregor Goller las eigene Gedichte; besonnene Poesie wechselte mit Witzigem im Stil von Heinz Erhard.
Die Buchhandlung Wild präsentierte zum Thema passende Bücher; nach der Gesprächsrunde traf sich eine gesellige Runde in den nahe gelegenen „Eckbergstuben“, um weiter zu plaudern.
Der Abend war ein gelungener Auftakt zu weiteren Veranstaltungen dieser Art unter der Überschrift „Leben Lesen“
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Worauf ich mich freue …

Der Verlag macht wieder ein schönes Hardcover – Teil zwei der Reihe.

Aufstiege und Abstürze

Mondlicht und Hexenwerk …
..wieso Männer und Frauen perfekt nicht zueinander passen

Die abenteuerliche Zeit des „Wandels durch Annäherung“

Alles ist möglich: Menschen landen auf dem Mond, zwischen West- und Ostberlin kann man wieder telefonieren, ein Diskus fliegt kilometerweit, ein Deutscher bekommt den Friedensnobelpreis, in einer Thüringer Kleinstadt gibt es das europaweit beste Japan-Restaurant: Anfang der 70er Jahre sprechen viele Zeichen für Aufbruch, Fortschritt – und unbegrenztes Vergnügen bei erotischen Abenteuern jenseits der Familienplanung.

Gustav Horbel aus Lauterberg ist in der Hauptstadt Berlin gelandet, um Physik zu studieren, denn er ist sehr neugierig darauf, was die Welt im Innersten zusammenhält. In Berlins Straßen, in Bars und Theatern, im Thüringer Wald und in den Reichsbahnzügen dazwischen lernt er dann viel mehr darüber als in Labors und Hörsälen. Während er mit Prüfungen an der Universität wenig Scherereien hat, macht er in den Prüfungen des Lebens keine besonders gute Figur, er will einfach zu hoch hinaus. Ob das am Geist dieser 70er Jahre liegt, in denen alles möglich scheint?

Zwischen Traum, Wahn und Wirklichkeit stolpert Gustav durch eine bewegte Zeit. Gott sei Dank nimmt ihn immer wieder jemand bei der Hand, manchmal ein berühmter Mann, manchmal die schönste Frau der Welt.

Probelesen können Sie jetzt schon, „Babels Berg“ erscheint im Herbst 2010 im Salier Verlag Leipzig

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Eisbein an Quote

Altes Neues aus den Anstalten

Eisbeine warten auf die Quotenentscheidung
Eisbeine warten auf die Quotenentscheidung

Stellen Sie sich vor, dass Sie etwa zehnmal jährlich Ihre Stammkneipe besuchen, wo es eine schöne Auswahl an Essen gibt. Besonders auf Eisbein versteht sich der Koch, aber er bietet außer dem notorischen Schweineteil mit Sauerkraut und Püree noch andere delikate Gerichte, dazu knackiges Gemüse, frischen Salat und Desserts an. Es gibt guten Wein. Ihnen wird niemals langweilig; Sie probieren fast jedes Gericht, das Eisbein sogar zweimal im Jahr.
Nun etabliert sich nebenan ein Spezialist für billiges Eisbein. Dort gibt es schlaffen Salat, verkochtes Gemüse und zum Dessert überteuertes Eis aus der Kühltruhe. Das Eisbein ist zwar okay, aber Sie gehen da nicht hin.
Der Wirt Ihrer Stammkneipe hat nun ein kleines Problem: er muss von Zeit zu Zeit seine Preise erhöhen, denn sein Personal wird nach Tarifen bezahlt, die er nicht kündigen kann. Er kann auch niemanden hinauswerfen. Der Nachbar dagegen ist bei der Gestaltung seiner Betriebswirtschaft völlig frei, außerdem verschafft ihm eine mächtige Brauerei als Sponsor finanzielle Vorteile. Die billigen Preise ziehen eine Menge Kundschaft zu den Eisbeinen, er verkauft seinen ganzen billigen Ramsch, einschließlich 0815- Eis, weil die meisten Leute zu faul sind, nur für ein Dessert das Lokal zu wechseln. Der Laden beginnt zu brummen.
Einige Eisbein- Esser werden der Stammkneipe untreu. Der Wirt könnte nun sagen: lassen wir das Eisbein ganz, konzentrieren wir uns auf andere Attraktionen, um Gäste hinzuzugewinnen. Darüber gäbe es einerseits Streit mit dem Koch, andererseits wäre fraglich, ob der mögliche Zugewinn mit Neuerungen den Verlust der ziemlich großen Eisbein- Klientel ersetzen würde. Der Wirt fragt einen anerkannten Unternehmensberater.
Von nun an werden Daten erhoben. Es kommt heraus, dass das Eisbein unmöglich aufgegeben werden kann. Die Lösung des Beraters: wir machen das Eisbein billig und gleichen den Verlust durch Streichen der selten nachgefragten Gerichte aus. Das bringt Ersparnis, so geschieht es. Ein paar Eisbeinesser kommen zurück. Das Nachbargeschäft floriert inzwischen aber noch mehr; der Konkurrent kann es sich leisten, das Sauerkraut von einem Dutzend sehr leicht bekleideter Mädchen flambieren zu lassen. Ein Bombenerfolg.
Ihr Wirt muss reagieren. Die untrügliche, wissenschaftlich fundierte Statistik sagt, dass der Erfolg des Konkurrenten vor allem beim männlichen Publikum erzielt wurde. Man möge doch nun, meint der Berater, sich stärker der weiblichen Eisbein- Klientel zuwenden, etwa durch Auslegen eines großen Sortiments an Boulevard- Zeitschriften. Das sei gemäß mehrfach erhärteter Umfragen in Friseursalons ein absoluter Bringer. Die befragten Frauen hätten zu 90% mit Ja auf die Frage geantwortet, ob das Vorhandensein der Klatschblätter ihren Aufenthalt begünstige.
Die Zeitschriften werden gekauft, das Dessertangebot wird dafür eingeschränkt; schließlich muss auch der Berater samt seinem wissenschaftlichen Personal bezahlt werden. Nur flambiertes Eis in verschiedenen Variationen bleibt im Programm. Auch beim Gemüse gibt es Einschränkungen; es kommt dem Wirt zupass, dass die Köchin mit dem besonderen Händchen für frische Kräuter und Gemüse sowieso gerade in Rente geht. Die Stelle wird nicht wieder besetzt, eine Aushilfe kümmert sich fortan um die Beilagen…
Sie stellen eines Tages fest, dass Ihnen Ihre Stammkneipe zu teuer wird, zumal sich das Angebot kaum noch von dem bunten Schuppen nebenan unterscheidet. Sie mögen dort nicht mehr hingehen.
Die Geschichte können Sie selber weiter spinnen: von den sich epidemisch ausbreitenden bunten Schuppen für Billigeisbeine über die Porschesammlung des Unternehmensberaters, die Pleite Ihres einstigen Stammlokals, dessen Wirt leider nicht den Mut zu wirklich eigenem Profil hatte, bis zu dem Eingeständnis, dass Sie selbst, nun ja, ab und zu noch ein Eisbein essen gehen. Gottlob gestattet Ihnen Ihr Einkommen den Besuch eines teuren Restaurants, wo wirklich exzellent gekocht wird. Es gibt frisches Gemüse und sagenhafte Desserts, sogar den Intendanten des Fernsehsenders haben sie schon dort gesehen.
Und nun machen Sie sich ruhig einmal die Mühe, in Ihrer Programmzeitschrift (falls Sie so etwas haben) die sogenannte „Prime Time“- Leiste von ca. 19 bis 23 Uhr hinsichtlich der Inhalte auszuwerten. Wieviel Sport (Fußball!), Unterhaltungsmusik, Serien und Filme mit Kriminalfällen oder seichten Storys finden Sie dort bei den Hauptsendern? Wieviel Boulevard? Wie sehr unterscheiden sich die Nachrichtenformate nach den Inhalten? Was bleibt übrig, wovon sie mit Überzeugung sagen könnten: das ist eine wirklich frische Sendung mit originellen Gedanken und mutigem Standpunkt, die mich überrascht und mir zu denken gibt?
Dank der „Medienforschung“ ist die „kulturelle Grundversorgung“ des gebührenfinanzierten Rundfunks heute vom Angebot der billigen bunten Buden nebenan nicht mehr zu unterscheiden. Klar: manche Buden sind besser geworden. Aber die Selektion nach rein quantitativen Erfolgswerten – eben den Quoten – hinterlässt eine Monokultur mit all den von anderen Monokulturen hinreichend bekannten tödlichen Gefahren.
Sie können sagen: das ist mir wurst, denn ich sehe sowieso kaum fern und verschwende meine Zeit auch nicht an öde Dauerdudelprogramme im Radio. Das Zeug ist halt für Mehrheiten, die mit Ewiggleichem versorgt werden wollen, wie mit ihrer gewohnten Biermarke zum Eisbein, und ich schere mich höchstens um das, was mich besonders interessiert.
In diesem Fall sind Sie wirklich in einer Situation privilegierter Selbständigkeit, allerdings könnte es Ihnen manchmal schwer fallen, sich Gesprächen Ihrer Mitmenschen anzuschließen.
Sie können sagen: mir ist das Programm ganz recht, weil ich vorm Fernseher oder Radio entspannen und nicht meine Konzentration zusätzlich beanspruchen will. Mein Leben ist von der Arbeitswelt so strapaziert und ausgepowert, dass ich zusätzliche Anforderungen an Konzentration und Lernfähigkeit nicht ertrage.
Im letzteren Fall hoffen Sie vermutlich auf Ihre baldige Berentung oder sie fürchten, Ihre Anstellung zu verlieren. Oder beides. Oder Sie leben schon von staatlicher Fürsorge. Ihre Fernsehgewohnheiten dürfen sie dann ruhig beibehalten. Sie müssen nur mit der Einschätzung der fürsorglichen Programmverwalter und Medienforscher leben, dass es zu mehr bei Ihnen eben einfach nicht reicht und dass Sie eine höhere intellektuelle Qualität des Programms gar nicht wollen.