Sprachpatente

Hier mal wieder ein Text aus dem Osten. Veraltet? Die Witze vielleicht.

Wenn die Dummheit Quote macht

Wenn die Dummheit Quote macht

Wer schläft, der sündigt nicht: O schöner Spruch!
O allumfassender Dispens fürs Unterlassen!
Ein kollektives Schnarchen füllt die Gassen
Und, dazu passend, leichter Mundgeruch.
Die Kissen weich, die Türen fest verschlossen
Die Wachen geh’n mit ruhig festem Schritt
Und in der Kneipe sitzen die Genossen
Und schreiben deine schönsten Witze mit.
Wo man so schnarcht, lass dich nicht ruhig nieder
Und frag bloß nicht: „Was wird denn hier verpennt?“
Weil man dich sonst ’nen Nestbeschmutzer nennt
Und solchen Leuten bricht man alle Glieder.
Reden ist Silber, alter Freund, das du verschwendest
Schweigen ist Gold, weil’s den Geschäften dient.
Die Welt ist ganz mit Schweigegold vermint.
Das macht uns stumm – wohin du dich auch wendest.
Geh rasch, solange noch die Hunde schlafen.
Den, der zu spät geht, wird das Dorf bestrafen.

Er kann dann aber zur Arbeitsagentur gehen.

China und die Menschenrechte

Für 70 € im Monat leben - ohne Hartz 4

Jobangebot in China


Das beklagenswerte Bild, das die westlichen Demokratien nach dem Untergang des realen Sozialismus Ost auf dem Weg in den realen Sozialismus West bieten; der Furor, mit dem „Eliten“ und „Anspruchsberechtigte“ das Gemeinwesen zerpflücken, die ungebremste Gier nach Macht und Gütern, das auf Quoten und Konformismus orientierte Medienunwesen, in dem Kultur zu Monokultur umformatiert wird: Was davon sollte die Chinesen beeindrucken? Monokultur und Konformismus haben sie selbst. Sie haben den Mediokratien des Westens voraus, dass sie Nörgler konsequent zum Schweigen bringen, statt sie zum Sozialhilfesatz durchzufüttern. Die Geldmaschinen drehen in China schneller, die Reichen werden reicher, die Armen müssen tun, was übrig bleibt zu Hungerlöhnen – mit etwas staatlicher Beihilfe.
Universelle Werte? Wer lebt die vor? Das Ehepaar Clinton? Her Bush jun.? Herr Zumwinkel? Herr Schröder? Herr Berlusconi?
Die Politik, die Wirtschaft – vor allem die Banken – des Westens arbeiten dem ZK der KP Chinas vortrefflich zu: sie machen in Peking Schulden, sie werden darüber zu politischen Leisetretern, deren Moral die Chinesen nur deshalb nicht öffentlich verlachen, weil sie als kluge Strategen den nützlichen Idioten gestatten, das Gesicht zu wahren.

Leben in China

Räucherwerk fürs goldene Glück
Nach vier Wochen zwischen Yangzijiang (Jangtsekiang), Sanya auf der Tropeninsel Hainan, nun einige Tage in Beijing (Peking), das den Charme von Ostberlin hat: kalte, leere Gigantomanie, was mal Kaisertum war, ist Fahnengeschwenke unterm Schutz zahlloser uniformierter und nicht uniformierter Wächter: ein Staat wird vom Geld regiert, reagiert auf die Attacken der globalen Geldmaschinerie mit der Wucht seiner Massenproduktion, auf die Kritik von einzelnen mit dem brachialen Übergriff: Zeichen eines Niedergangs.
Die Chinesen – je weiter weg im Süden, desto munterer – verhalten sich pragmatisch wie jeder Dynastie gegenüber. Hauptsache, der Familie geht’s gut und für möglichst üppiges Essen ist gesorgt. Feuerwerk kann’s nicht genug geben, wenn’s richtig donnert, zieht man halt den Kopf ein.

Unendlich sicher

Einstein meinte, dass gemeinhin zwei Dinge als unendlich gelten: der Kosmos und die menschliche Dummheit, aber beim Kosmos sei man sich nicht sicher. Es läuft nun in Deutschland seit längerem ein Versuch, ob nicht auch die Langmut deutscher Steuer-, Beitrags- und Gebührenzahler den Unendlichkeits- Status beanspruchen darf.
Möglicherweise endet diese Langmut genau da, wo sich die Einsicht ausbreitet, dass nicht vor allem die anderen, sondern tatsächlich man (oder frau) selbst den Löwenanteil der Zeche für den gesamtstaatlich organisierten Wahn von der Versorgung aller mit Fastfood, Fastkultur und Fußball und der Versicherung aller gegen alles und gegen alle zahlt, dass den Profit davon aber hauptsächlich die Steuer-, Beitrags- und Gebühreneintreiber haben.
Dieser deutsche Menschenversuch – das Land darf ja, Menschenversuche betreffend, eine historische Spitzenposition beanspruchen – bleibt spannend, ein klares Resultat ist nicht in Sicht, weil ja eben die menschliche Dummheit jeder Einsicht entgegensteht. Und diese – nicht einmal genuin deutsche – Dummheit ist…

Alltag, Tod und Traum

Pest, Cholera, Angestellt
Kann einer heute noch Balladen schreiben? Schillersches Pathos hilft sicher nicht weiter, aber wo steht geschrieben, dass Balladen nicht schräg, komisch, bissig sein dürfen?
Moral ist nicht mehr unbedingt Ansichtssache angesichts kollabierender Geldmaschinen, staatlicher Hehlerei, massenhafter Fürsorge als Milliardengeschäft. Moral könnte dem Überleben dienen.

Ramona Raffzahn

Im „Banalama“ fehlt noch der Song der beiden „Bundis“. Ich will nicht sagen, dass er schön ist. Aber er verbindet die Sextouristen unserer Welt womöglich ebenso stark, wie die Bonzen des weltweiten Leistungssport-Kartells. Es wird vermutlich als bedeutendstes System der Korruption und des Drogenhandels neben einschlägigen Mafia-Organisationen in die Geschichte eingehen.

Ramona Raffzahn …

… macht heute wieder die Beine breit
fürn Fuffi West, da ist alles drin in der Möse.
Die Konkurrenz aus den Billiglohnländern ist eben wirkungsvoll
Ein Westpuff ist viel zu teuer und Loch ist Loch.
Geschäft ist Geschäft
Das wär ja gelacht.
Wir lassen uns doch das
Freie Unternehmertum nicht ganz aus der Hand nehmen.
Mein Herz gehört meinem Staat
(das geb ich ihm schriftlich)
aber der wirtschaftet schließlich auch
mit Geld
und die Klamotten sind teuer.
Ramona Raffzahn
macht heute wieder alles möglich für die Kunden.
Fürn Fuffi West kommt auch die beste Freundin mit.
Schlaffi sagt danke. O heiliger Kommerz.
Die DDR hat vierundachtzig
Ihr erfolgreichstes Wirtschaftsjahr.
Die Freundin wartet sonst
Aufs Glück per Annonce.
Heute lassen wir noch mal die Katze aus dem Sack
Café Nord.
Geschäft ist Geschäft
Das wär ja gelacht.
Wir lassen uns doch
Das kann mir keiner
Und alle können mich mal.
Mein Herz gehört meinem Staat
(das geb ich ihm schriftlich)
und seit ich schreiben kann, oft.
er braucht das einfach und manch einer
bekommt so was sogar bezahlt.

Ramona wurde übrigens nach der Heirat mit einem bedeutenden Würdenträger auch Hauptfigur in einem
OLYMPIADRAMA: „Das Bündnis“.

Revolution

Siehst du deine Aktien fallen?
Spürst du deine dünne Haut?
Tust du noch, wovor dir graut
Und schwimmst immer noch mit allen?
Bist du kollektives Wesen
Unverstört im gleichen Schritt
Willst nicht einsam sein, willst mit
Kannst noch nicht die Zeichen lesen?
Glaubst noch an die Chorgesänge
Und die Phrasenrituale?
Was erklang so viele Male
Bindet viele ans Gedränge.
Doch wo’s hindrängt, wird es enge.
Denn die Zukunft ist vom Wollen
All der gleichen Wünsche, Triebe
Längst schon derart zugequollen
Dass kein Platz mehr übrig bliebe
Gäbs nicht gegen diesen Frust
Das Prinzip GEWALT MACHT LUST.
Die Dreifaltigkeit der Kriege
Mordskarrieren, Lügensiege.
Schlag mit drein. Du bist dabei.
Mach dich von dir selber frei.

Ende der Angst

Heldentum überflüssig

Heldentum überflüssig

Wer gewinnt den Frieden?
Kriege werden gewonnen.
Frieden ist das große Unentschieden
Schwer zu ertragen, wo Sieger gefragt sind
Und Preise winken, egal wie hoch der Preis.
Nicht siegen wollen ist pervers
In den Augen der Aasgeier
Die vom Verlieren leben und Tod.
Nicht siegen wollen, nur leben
Ist der Weg zurück
Zu den Pforten des Paradieses
Wo sowohl als auch ist
Und überall nirgends, kein Ziel, kein Versagen.
Wo Gott wohnt:
Ganz am Ende der Angst.

Wissen wohin

Willst du wissen — willst du nicht
Wo entlang die Wege führen
Willst du nur nach vorne stieren
Mit dem Köder vorm Gesicht?

Ach, die Leute werden schneller
Werden wilder, werden mehr
Nach dem Gelde drängt das Heer
Schlägt für Gulden, feilscht um Heller.

Rechts und links von all den Zügen
Liegen Leichen deiner Träume
Die verbrannten Paradiese
Müllbedeckte Rückzugsräume.
Aus dem Abfall wuchern Lügen
Wie so schön die Wettbewerbe
Wie so fair die Leistungsdaten
Wie so kühn die Heldentaten.
Glück ist Gold. Du kannst dich fügen.

Oder lieber innehalten
Deine wunden Füße fragen:
Lohnt das Ziel, die Last zu tragen?
Zähle deine Kummerfalten
Und dann gib dich nicht geschlagen.

Im Osten nix Neues

Viele Wählerstimmen für die Linkspartei mit den Genossen Lafongysi an der Doppelzungenspitze: der Ruin der SPD ist fast vollkommen.

1990 erklärte mir ein Berliner SPD-Funktionär in stolzer Selbstgewissheit: Um die PDS müssen wir uns nicht kümmern, die ist politisch tot”

Werden wir noch die Vereinigung linkslinks mit Frau Nahles und Frau Wagenknecht als Siegesgöttinnen erleben? Große Zeiten.

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