Dom zu Naumburg

Mosaikbild von anna Knauth 1855

Annas Fenster 1855

Du stiller Schatten. Kerzenduft, verbannt
Noch duftend nach verwehter Hoffnung
Heimlichen Wünschen, Träumen, barmender Verzweiflung
Nach meiner Ahne ahnendem Erschauern.

Du Stein. Du höchste Kunst in höchsten Nöten
Du Botschaft, wundersam und unerhört.
Du Friedensschauplatz, unruhvoller Hafen
So fern den Meeren, nah den Galaxien
So voll Gesichter, Stimmen, Sinfonien
Ich wünscht’ in dir den letzten Schlaf zu schlafen.

Fortsetzung folgt

Brunnen unterm Lindenbaum im Schwarzwald

Sommernacht - Lesenacht

Allen, die gekommen waren, war’s ein Vergnügen, allen, die mitgeholfen haben, eine gelungene Arbeit. Das „Badische Tagblatt“ bestätigte in einem Artikel am 21.8.  den Veranstaltern den Erfolg. Deshalb wird die Reihe „Leben Lesen“ fortgesetzt mit noch mehr guten Texten von hoffentlich vielen Interessierten Autoren, Geschichtenerzählern, Musikern.
from immediator.de
Leben Lesen am 19.8. 19 Uhr

Literaturabend im Schwarzwald

Jugendzeit und Sommernachtsträume

Der Erinnerung die Zügel lassen, träumen, was war – oder hätte sein können. Das ist der Stoff, aus dem Romane werden.

Wer Lust hatte, Geschichten zu hören, selbst eine Geschichte zu erzählen, war eingeladen zu einem Sommerabend mit Literatur und Musik, umgeben vom schönsten Schwarzwaldpanorama weit und breit. Immerhin 25 Literaturfreunde kamen, darunter der 90jährige Autor Georg Polomski, der mit seinem Humor in Gedichtform und durch eine ansteckend fröhlich vorgetragene Kurzgeschichte die Zuhörer beeindruckte. Gregor Goller las eigene Gedichte; besonnene Poesie wechselte mit Witzigem im Stil von Heinz Erhard.
Die Buchhandlung Wild präsentierte zum Thema passende Bücher; nach der Gesprächsrunde traf sich eine gesellige Runde in den nahe gelegenen „Eckbergstuben“, um weiter zu plaudern.
Der Abend war ein gelungener Auftakt zu weiteren Veranstaltungen dieser Art unter der Überschrift „Leben Lesen“
Read more at immediator.de
See this Amp at http://bit.ly/bU3qs2

Sommer

Rosenblüte, rot

Blühen und Vergehen

Sommer
Komm, meine Sonne, tränke meine Haut
mit Lichtgefühl, durchdringe meine Lider,
erweck die Düfte aller Sommer wieder
und alle Blüten, die ich je geschaut.

Mach aus der Zeit ein kosmisches Gewebe
und schmilz die Uhren ein zu schwarzem Schaum.
Zieh mich auf deiner Bahn zum Weltensaum,
mach mich zum Augenblick, in dem ich lebe.

Tags: Gedicht,

Windsbraut

Das Gedichtchen stammt aus meiner Studienzeit – Anfang der 70er Jahre in Berlin, als ich sehr verliebt war und verwirrt. Einiges davon findet sich in „Babels Berg“

...was die Welt im Innersten zusammenhält ...

...was die Welt im Innersten zusammenhält ...

Ein Apfelsinenmond lugt zwischen Ästen

Mit Frühlingsahnung kokettiert der Wind

Spielt mit dem S-Bahn-Rattern aus dem Westen

Er wirft mit Staub und macht uns beide blind.

Das schadet nichts, wer küsst braucht nichts zu sehen

Und zaust er unsre Haare noch so sehr:

Nur Wetterhähne lassen leicht sich drehen

Ein Liebespaar verträgt schon etwas mehr.

Vergessene Sprache

Besser zuhören ...

Bitt euch, ihr edlen Damen, hohen Herrn
Wollt ab und zu mit uns die alte Sprache sprechen
Die aus dem Urlaut kommt, von Herkunft und Geburt.
Wollt nicht das ängstliche Gestammel unterbrechen
Das keiner Taktik unterworfen wurd.

Bitt euch: gestattet manche rauen Töne
Und lasst dem Schmerzgeplagten seine Litanei
Das Wahre ist ganz sicher nicht das Schöne
Wo Schöntun herrscht, Doktrin und Heuchelei.

Die Rede dient dem Zweck, die Sprache ist –
Wie Leben selbst – so krumm und wild und frei.
Nehmt nicht für Sprache ihr gefrornes Bild
Hört auf die Laute, formlos, frei und wild
Vergesst, was ihr schon lange von uns wisst
Habt nicht das letzte Wort, sucht nicht nach letztem Schrei
Hört auf die Sprache, die sich selbst vergisst.

Sprachpatente

Hier mal wieder ein Text aus dem Osten. Veraltet? Die Witze vielleicht.

Wenn die Dummheit Quote macht

Wenn die Dummheit Quote macht

Wer schläft, der sündigt nicht: O schöner Spruch!
O allumfassender Dispens fürs Unterlassen!
Ein kollektives Schnarchen füllt die Gassen
Und, dazu passend, leichter Mundgeruch.
Die Kissen weich, die Türen fest verschlossen
Die Wachen geh’n mit ruhig festem Schritt
Und in der Kneipe sitzen die Genossen
Und schreiben deine schönsten Witze mit.
Wo man so schnarcht, lass dich nicht ruhig nieder
Und frag bloß nicht: „Was wird denn hier verpennt?“
Weil man dich sonst ’nen Nestbeschmutzer nennt
Und solchen Leuten bricht man alle Glieder.
Reden ist Silber, alter Freund, das du verschwendest
Schweigen ist Gold, weil’s den Geschäften dient.
Die Welt ist ganz mit Schweigegold vermint.
Das macht uns stumm – wohin du dich auch wendest.
Geh rasch, solange noch die Hunde schlafen.
Den, der zu spät geht, wird das Dorf bestrafen.

Er kann dann aber zur Arbeitsagentur gehen.

Abend

von Berg zu Berg

von Berg zu Berg

Die Sonne geht und lacht mir ins Gesicht
„Ermann dich, alter Geck, was hoffst du noch zu schonen?
Dein Tag ist flüchtig, also säume nicht
Und such dein Glück dort, wo die Wolken wohnen“.
Schon steckt sie mir den Himmel an und Feuer zieht
Von Berg zu Berg, zum Rhein, zum Rand der Welt.
Und während in die Täler Asche fällt
Der Mond schmerzlich erstaunt herniedersieht
Die Galaxien über unsere Zukunft lachen
Will ich allein mit dem Vergangenen wachen.

Flüchtige Gesänge

vorm frühlingslechzenden Gezweig

vorm frühlingslechzenden Gezweig

Es sind die leisen Laute, die mich bannen
Ein unbezahlbar unbezahltes Lied
In fremder Sprache, nicht für mich bestimmt
Voll Inbrunst – weiß noch einer, was das ist?
Und nicht im Film, nicht mikrofonverstärkt
Nicht lichtumkränzt, nicht öffentlich beklatscht!
Es rührt ein Namenloser mir das Herz
So tief wie’s keine Macht der Welt vermöchte.
Er singt dem Schnee das letzte Lebewohl.
Er singt Triumph der Nacht, dem Frost, dem Tod.
Er singt die Liebe und ist liebeskrank
Und schreit sein winzigkleines warmes Leben
Mit aller Kraft in wintergraue Welten.
Und er beschämt mich tief
Den kohle-, stein- und stahlbewehrten Riesen.
Ich steh vorm frühlingslechzenden Gezweig
Und kann vom Federbalg den Blick nicht lassen
Wie er all Lust und Leid aus voller Kehle
So zu Musik macht, wie’s sonst keiner tut.

Frühling reist

Mozarts Auftritt im Kalender

Mozarts Auftritt im Kalender

Die Räder rollen durchs glückliche Land
der rostenden Wünsche, es schnattert das Jungvolk
Eingeflimmert aufs Mittelmaß,
duftend nach Fritten und Plastikfraß.
Gesichter voll Eisen, Chemie in den Haaren
Sehn sie nicht wo, verstehn nicht, wohin sie fahren.

Draußen geschieht das verlässliche Wunder
Das sich doch niemals planen lässt
Aus Landschaften werden Züge des Glücks
Triumphprozessionen verliebter Vögel.
Textilgeschäfte verhökern den Rest
Nächstens geht die Weltwirtschaft unter.

Altersrenditen verfallen im Takt
Der murmelnden Kugeln in den Rouletts
Der schwingenden Kurse auf den Parketts
Alle Tresore werden geknackt.

Derweil erblühn die unsterblichen Formen
Aus sterblichstem Stoff in den Farben der Träume.
Ich zähle die Tage als letzte Momente
Dass vom fliegenden Blau ich nur nichts versäume.
Keine Blüte sei ungeküsst
vom Blick, der auf Unendlich gerichtet ist.