Ramona Raffzahn

Im „Banalama“ fehlt noch der Song der beiden „Bundis“. Ich will nicht sagen, dass er schön ist. Aber er verbindet die Sextouristen unserer Welt womöglich ebenso stark, wie die Bonzen des weltweiten Leistungssport-Kartells. Es wird vermutlich als bedeutendstes System der Korruption und des Drogenhandels neben einschlägigen Mafia-Organisationen in die Geschichte eingehen.

Ramona Raffzahn …

… macht heute wieder die Beine breit
fürn Fuffi West, da ist alles drin in der Möse.
Die Konkurrenz aus den Billiglohnländern ist eben wirkungsvoll
Ein Westpuff ist viel zu teuer und Loch ist Loch.
Geschäft ist Geschäft
Das wär ja gelacht.
Wir lassen uns doch das
Freie Unternehmertum nicht ganz aus der Hand nehmen.
Mein Herz gehört meinem Staat
(das geb ich ihm schriftlich)
aber der wirtschaftet schließlich auch
mit Geld
und die Klamotten sind teuer.
Ramona Raffzahn
macht heute wieder alles möglich für die Kunden.
Fürn Fuffi West kommt auch die beste Freundin mit.
Schlaffi sagt danke. O heiliger Kommerz.
Die DDR hat vierundachtzig
Ihr erfolgreichstes Wirtschaftsjahr.
Die Freundin wartet sonst
Aufs Glück per Annonce.
Heute lassen wir noch mal die Katze aus dem Sack
Café Nord.
Geschäft ist Geschäft
Das wär ja gelacht.
Wir lassen uns doch
Das kann mir keiner
Und alle können mich mal.
Mein Herz gehört meinem Staat
(das geb ich ihm schriftlich)
und seit ich schreiben kann, oft.
er braucht das einfach und manch einer
bekommt so was sogar bezahlt.

Ramona wurde übrigens nach der Heirat mit einem bedeutenden Würdenträger auch Hauptfigur in einem
OLYMPIADRAMA: „Das Bündnis“.

Revolution

Siehst du deine Aktien fallen?
Spürst du deine dünne Haut?
Tust du noch, wovor dir graut
Und schwimmst immer noch mit allen?
Bist du kollektives Wesen
Unverstört im gleichen Schritt
Willst nicht einsam sein, willst mit
Kannst noch nicht die Zeichen lesen?
Glaubst noch an die Chorgesänge
Und die Phrasenrituale?
Was erklang so viele Male
Bindet viele ans Gedränge.
Doch wo’s hindrängt, wird es enge.
Denn die Zukunft ist vom Wollen
All der gleichen Wünsche, Triebe
Längst schon derart zugequollen
Dass kein Platz mehr übrig bliebe
Gäbs nicht gegen diesen Frust
Das Prinzip GEWALT MACHT LUST.
Die Dreifaltigkeit der Kriege
Mordskarrieren, Lügensiege.
Schlag mit drein. Du bist dabei.
Mach dich von dir selber frei.

Ende der Angst

Heldentum überflüssig

Heldentum überflüssig

Wer gewinnt den Frieden?
Kriege werden gewonnen.
Frieden ist das große Unentschieden
Schwer zu ertragen, wo Sieger gefragt sind
Und Preise winken, egal wie hoch der Preis.
Nicht siegen wollen ist pervers
In den Augen der Aasgeier
Die vom Verlieren leben und Tod.
Nicht siegen wollen, nur leben
Ist der Weg zurück
Zu den Pforten des Paradieses
Wo sowohl als auch ist
Und überall nirgends, kein Ziel, kein Versagen.
Wo Gott wohnt:
Ganz am Ende der Angst.

Verkehrte Welt

Des Abends wenn ich früh aufsteh
Des Morgens wenn ich zu Bette geh
Da krähet die Henne, da gackert der Hahn
Da fängt die Regierung zu denken an

Da rinnet der Regen zum Himmel hinauf
Die Bild- Zeitung gibt das Dreckschleudern auf
Ein jeglicher kehrt vor der eigenen Türe
Und der Papst empfiehlt Fromm’s neben frommer Lektüre.

Der Reiter schleppt heimwärts das müde Pferd
Richtung Futterkrippe – ist das wirklich verkehrt?

Wenn der Gaul mit der Peitsche den Reiter traktiert
Könnt sein, dass der etwas sensibler wird.
Könnte sein, dass in der „verkehrten Welt“
Manches vom Kopf auf die Füße fällt.
Mir wird also nicht das Herz beschwert
Wenn das Oberste sich zuunterst kehrt.

Am Abend des Tages der Selbstgewissen
Verlasse ich heiter das Ruhekissen

Versichert

Jemand erzählt mir vom labilen
Gleichgewicht, das wir umspielen,
Vom Klimatod und Gletscherschmilz,
Ozonloch, Zeoh-Keinerwills.
Er weiß dafür genau den Grund:
Die Erde ist nicht mehr gesund.
Doch Mars ist nah und Mond ist rund,
Wir werden emigrieren.
Sandstürme, Krater, Vakuum,
das macht uns nichts, wir sind nicht dumm:
die AOK wird’s finanzieren.

Wissen wohin

Willst du wissen — willst du nicht
Wo entlang die Wege führen
Willst du nur nach vorne stieren
Mit dem Köder vorm Gesicht?

Ach, die Leute werden schneller
Werden wilder, werden mehr
Nach dem Gelde drängt das Heer
Schlägt für Gulden, feilscht um Heller.

Rechts und links von all den Zügen
Liegen Leichen deiner Träume
Die verbrannten Paradiese
Müllbedeckte Rückzugsräume.
Aus dem Abfall wuchern Lügen
Wie so schön die Wettbewerbe
Wie so fair die Leistungsdaten
Wie so kühn die Heldentaten.
Glück ist Gold. Du kannst dich fügen.

Oder lieber innehalten
Deine wunden Füße fragen:
Lohnt das Ziel, die Last zu tragen?
Zähle deine Kummerfalten
Und dann gib dich nicht geschlagen.

Zukunft

Ich kann schon meine Tage zählen, wenn ich will
Denn mein Karriereplan ist ziemlich endlich
Und meine Umwelt sagt mir, deftig- ländlich:
Du hast die Zukunft hinter dir, sei still.
Das ist mir recht. Denn Zukunft ist ein Ding
Von dem zu wissen keine Freude ist
So lehrte uns der Heiland, Jesus Christ,
Der kannte sie, eh er am Kreuze hing.
Er wusste vorher, wie man ihn verriete
dass Niedertracht sein Leben enden ließ
Er nahm sein Los, die allerschlimmste Niete
Und starb als Sündenbock fürs Volk, das ihn verstieß.
Dass er es tat, ließ eine Welt erstaunen
Und feite manchen späteren Sündenbock
Dem lustvoll ausgerissen wurden die Kaldaunen
Den man im Stillen hing, erschlug vorm Lagerblock
Erschoss, verbrannt’ zum Gaudium der Masse
Auf dass Gottvater ihre Schuld erlasse.
Die Zukunft ist ein seltsam Ding geblieben
Von dem seit Angedenken eins nur sicher ist:
Wer je sich als ihr Herr beschrieben
Beschloss als Mörder seines Lebens Frist.
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Der menschliche Makel

Wir kommen in die Welt befleckt mit Blut
Und unsre Hände zucken nach dem warmen Roten
Die Bilder reißen unsere Augen auf
Kälte deckt unsre Haut
Ins Leben trägt ein eigener geller Schrei
Darin ist Trennung. Eins wird zwei.

Durch Wachstum werden wir uns selber fremd.
Gewesen ist: Die eigenen Schmerzen tragen
Ein jegliches Erlangen ist Entsagen
Das Wirklichsein erstickt die Möglichkeit
Ein kleines Wissen tötet tausend Träume
Nur ein erfahrener Augenblick ein hoffnungsvolles Jahr.

Glück macht uns blind und unsere Schuld ist wahr.

Mondgesicht

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Mein Mond kommt übern Berg und schaut mich an
Ein Dunkel ändert seinen Sinn, die Wolken leuchten.
Kühl, silbern, kostbar übern Himmel hin
Verteilt das Sternenlicht sein zwinkerndes Gerätsel.
Kometen zieh’n und Schnuppen durch die Träume.
Kein Wunsch bleibt ungewünscht in dieser Nacht.
In diesen Fernen schwinden alle Nöte
In diesen Fernen stirbt uns nichts und nie
Erwacht ein Wesen uns die Welt zu lösen
In Glück und Räusche fleischlicher Begierde.
So trösten sie uns über den Verlust
Und den Verzicht und die versagten Wünsche
So oft wir wollen, und das ist zu oft
Um nicht des Universums letzten Winkel
Ganz zu erfüllen mit der Welt, von uns erhofft.

Komm, lieber Mond, eh alle Zukunft schwindet
Verstopft von unerfüllbarem Begehren
Du steinern klagendes Gesicht, komm, sieh mich an
Du sollst heut Nacht mich wieder hoffen lehren.

An den Hebeln

Sie drehen an den Schrauben
Und halten der Reden viel
Geld ist, woran sie glauben
Und Machterhalt das Ziel.

Ihr Blick geht in die Weite
Bis fast an den Tellerrand
Sie stehen dir zur Seite
In Stürmen, Flut und Brand.

Sie halten ihre Hände
Fest auf dem Portemonnaie
´s ist deins! Bist du am Ende
Dann rührt sie tief dein Weh.

Sie lutschen viele Wörter
Schön rund und glatt und hohl
Sie schmieden aus Phrasen Schwerter
Nur zu der Menschen Wohl.

Und wenn die Schwerter töten
Dann können sie nicht dafür
Du solltest für sie beten
Da draußen vor ihrer Tür.

Du hast ja nichts zu verlieren
Sie drückt die Führungslast.
Wieso lässt du sie spüren
Dass du kein Mitleid hast?