Versichert

Jemand erzählt mir vom labilen
Gleichgewicht, das wir umspielen,
Vom Klimatod und Gletscherschmilz,
Ozonloch, Zeoh-Keinerwills.
Er weiß dafür genau den Grund:
Die Erde ist nicht mehr gesund.
Doch Mars ist nah und Mond ist rund,
Wir werden emigrieren.
Sandstürme, Krater, Vakuum,
das macht uns nichts, wir sind nicht dumm:
die AOK wird’s finanzieren.

Wissen wohin

Willst du wissen — willst du nicht
Wo entlang die Wege führen
Willst du nur nach vorne stieren
Mit dem Köder vorm Gesicht?

Ach, die Leute werden schneller
Werden wilder, werden mehr
Nach dem Gelde drängt das Heer
Schlägt für Gulden, feilscht um Heller.

Rechts und links von all den Zügen
Liegen Leichen deiner Träume
Die verbrannten Paradiese
Müllbedeckte Rückzugsräume.
Aus dem Abfall wuchern Lügen
Wie so schön die Wettbewerbe
Wie so fair die Leistungsdaten
Wie so kühn die Heldentaten.
Glück ist Gold. Du kannst dich fügen.

Oder lieber innehalten
Deine wunden Füße fragen:
Lohnt das Ziel, die Last zu tragen?
Zähle deine Kummerfalten
Und dann gib dich nicht geschlagen.

Zukunft

Ich kann schon meine Tage zählen, wenn ich will
Denn mein Karriereplan ist ziemlich endlich
Und meine Umwelt sagt mir, deftig- ländlich:
Du hast die Zukunft hinter dir, sei still.
Das ist mir recht. Denn Zukunft ist ein Ding
Von dem zu wissen keine Freude ist
So lehrte uns der Heiland, Jesus Christ,
Der kannte sie, eh er am Kreuze hing.
Er wusste vorher, wie man ihn verriete
dass Niedertracht sein Leben enden ließ
Er nahm sein Los, die allerschlimmste Niete
Und starb als Sündenbock fürs Volk, das ihn verstieß.
Dass er es tat, ließ eine Welt erstaunen
Und feite manchen späteren Sündenbock
Dem lustvoll ausgerissen wurden die Kaldaunen
Den man im Stillen hing, erschlug vorm Lagerblock
Erschoss, verbrannt’ zum Gaudium der Masse
Auf dass Gottvater ihre Schuld erlasse.
Die Zukunft ist ein seltsam Ding geblieben
Von dem seit Angedenken eins nur sicher ist:
Wer je sich als ihr Herr beschrieben
Beschloss als Mörder seines Lebens Frist.
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Der menschliche Makel

Wir kommen in die Welt befleckt mit Blut
Und unsre Hände zucken nach dem warmen Roten
Die Bilder reißen unsere Augen auf
Kälte deckt unsre Haut
Ins Leben trägt ein eigener geller Schrei
Darin ist Trennung. Eins wird zwei.

Durch Wachstum werden wir uns selber fremd.
Gewesen ist: Die eigenen Schmerzen tragen
Ein jegliches Erlangen ist Entsagen
Das Wirklichsein erstickt die Möglichkeit
Ein kleines Wissen tötet tausend Träume
Nur ein erfahrener Augenblick ein hoffnungsvolles Jahr.

Glück macht uns blind und unsere Schuld ist wahr.