Moderne Märchen No. 4

Prinz kürt Aschenputtel

DSDS

Es war einmal ein Aschenputtel, das arbeitete hart für seine Halbschwestern und die Stiefmutter. Die waren nie zufrieden. Sie neideten dem Aschenputtel jedes Glück, sogar den Aufstieg ins Bett eines Prinzen. Aus Gier und Neid hackten sie sich die Füße kurz und klein. Da gurrten es die Tauben von allen Dächern und sie wurden berühmt.

Mondgesicht

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Mein Mond kommt übern Berg und schaut mich an
Ein Dunkel ändert seinen Sinn, die Wolken leuchten.
Kühl, silbern, kostbar übern Himmel hin
Verteilt das Sternenlicht sein zwinkerndes Gerätsel.
Kometen zieh’n und Schnuppen durch die Träume.
Kein Wunsch bleibt ungewünscht in dieser Nacht.
In diesen Fernen schwinden alle Nöte
In diesen Fernen stirbt uns nichts und nie
Erwacht ein Wesen uns die Welt zu lösen
In Glück und Räusche fleischlicher Begierde.
So trösten sie uns über den Verlust
Und den Verzicht und die versagten Wünsche
So oft wir wollen, und das ist zu oft
Um nicht des Universums letzten Winkel
Ganz zu erfüllen mit der Welt, von uns erhofft.

Komm, lieber Mond, eh alle Zukunft schwindet
Verstopft von unerfüllbarem Begehren
Du steinern klagendes Gesicht, komm, sieh mich an
Du sollst heut Nacht mich wieder hoffen lehren.

Wiegenlied

Komm, Trost der Welt, du stille Nacht
Auf deinen schwarzen Flügeln
Flieg ich dem knirschenden Getriebe weg:
Traumtief und sternenhoch, bin sonderbar
Von Hab und Gier befreit, ein Wolkenkind.
Mir fehlt nicht Lärm, Zerstreuung noch Applaus.
Ich habe, was der Welt am meisten fehlt
Wo Nacht und Traum mir meine Fesseln lösen.
Ich bin so gern ein luftiges Getier
Und werf mich meinen Lüsten ins Gesicht
Und schweife aus, verliere, rechne nicht.
Du stille Nacht, ich bin so gern in dir.
Komm, Trost der Welt, und wieg mich sacht.

Zug der Zeiten – ungefestigt

Alle Jahre, alle Monde
Zeigen mir die Wolkenzüge
Ihre sagenhaften Fratzen
Ihre kolossalen Schlachten
Rotdurchglüht und todesschwarz.
Wickeln mit lymphösen Binden
Klebrigfeucht die Frühlingsblüten
Wehen weg im kalten Ost.
Stauen sich zu Eisgebirgen
Mitten in der Sommerhitze.
Über den Gewittergipfeln
Schwingt die Sonne goldene Bänder
Und es tummeln sich die Nymphen
Nackt und rund an Brust und Hüften
Vor dem Mannsvolk in den Lüften.
So erschau ich, was ich lebe:
Ewig wiederholte Formen
Eine Welt verwehter Normen
Alles immer in der Schwebe.

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Diagnose: Eigensinn, Prognose: unbestimmt


Vor ziemlich genau 100 Jahren reiste mein Großvater als Seemann um die Welt. Er war monatelang unterwegs, die Bedingungen an Bord waren hart
Eine seiner Fahrten nach Südostasien verlief unvorhergesehen: der Weltkrieg war ausgebrochen, ein britischer Kreuzer brachte das deutsche Handelsschiff im Indischen Ozean auf, der frischgebackene Schiffsingenieur verbrachte seinen 30sten Geburtstag und fünf folgende Jahre bis 1919 in einem Camp für Kriegsgefangene in der australischen Wüste.
Danach war es mit der Seefahrt vorbei. Nachkrieg, Inflation, Weltwirtschaftskrise verhinderten, dass er jemals wieder die heimische Kleinstadt verlassen konnte. Aber die Geschichten, die er erzählte, die seltsamen Souvenirs des Weltreisenden haben den Enkel später nicht ruhen lassen: er war dauerhaft von Reisen in den Fernen Osten nicht abzuhalten – nicht durch Mauern und Stacheldraht, nicht durch Drohungen mit Haft, nicht durch Berufsverbot und Isolierung bis an den Rand der Existenzfähigkeit.
Die eigensinnigen Kosmopoliten von gestern und heute sollen gelobt sein!

Sündenböcke


Unser Gehirn hat ein Problem: „WARUM“ ist seine Lieblings-frage. Und die Antwort erfolgt reflexhaft – seit Millionen Jahren …

Das älteste und unentberlichste Haustier des Menschen ist deshalb der Sündenbock – und das ist das Erfolgsgeheimnis nicht nur der BILD-Zeitung. Das Quotensystem sorgt dafür, dass alle Medien von der Jagd nach Sündenböcken leben.
Dass das zweckmäßig und tödlich zugleich ist und was es mit den typischen Konfliktverläufen im Zusammenleben der Menschen, mit Mobbing, Feindbildern, Kriegen und dergleichen zu tun hat, erfahren Sie in dem Buch „Der menschliche Kosmos“.
Dass wir ohne Sündenböcke auskommen müssen, wenn wir der Menschheit ein erträgliches Zusammenleben über die Grenzen von Erdölquellen, Wasserressourcen, Energieerzeugung mit oder ohne Atomkraft und Klimaveränderungen hinaus zutrauen wollen: Das weiß jeder – oder?