Ist die Welt nicht mehr zu retten?

Das Problem des Ostens ist die erfolgreiche Ausrottung der Selbständigen – also des Mittelstandes – durch das System der organisierten Verantwortungslosigkeit, vulgo Sozialismus. Der Westen zieht gerade nach. Nachzulesen ist darüber einiges bei Rudolf Bahro „Die Alternative“ (1977) und in „Logik der Rettung“ (1987).
Dazu habe ich 2007 in SWR 2 „Wissen“ publiziert
Aktuell nach wie vor in den Zeiten unabsehbarer Krisen:
„Der menschliche Kosmos“2bahro1

An den Hebeln

Sie drehen an den Schrauben
Und halten der Reden viel
Geld ist, woran sie glauben
Und Machterhalt das Ziel.

Ihr Blick geht in die Weite
Bis fast an den Tellerrand
Sie stehen dir zur Seite
In Stürmen, Flut und Brand.

Sie halten ihre Hände
Fest auf dem Portemonnaie
´s ist deins! Bist du am Ende
Dann rührt sie tief dein Weh.

Sie lutschen viele Wörter
Schön rund und glatt und hohl
Sie schmieden aus Phrasen Schwerter
Nur zu der Menschen Wohl.

Und wenn die Schwerter töten
Dann können sie nicht dafür
Du solltest für sie beten
Da draußen vor ihrer Tür.

Du hast ja nichts zu verlieren
Sie drückt die Führungslast.
Wieso lässt du sie spüren
Dass du kein Mitleid hast?

Wiegenlied

Komm, Trost der Welt, du stille Nacht
Auf deinen schwarzen Flügeln
Flieg ich dem knirschenden Getriebe weg:
Traumtief und sternenhoch, bin sonderbar
Von Hab und Gier befreit, ein Wolkenkind.
Mir fehlt nicht Lärm, Zerstreuung noch Applaus.
Ich habe, was der Welt am meisten fehlt
Wo Nacht und Traum mir meine Fesseln lösen.
Ich bin so gern ein luftiges Getier
Und werf mich meinen Lüsten ins Gesicht
Und schweife aus, verliere, rechne nicht.
Du stille Nacht, ich bin so gern in dir.
Komm, Trost der Welt, und wieg mich sacht.

Zug der Zeiten – ungefestigt

Alle Jahre, alle Monde
Zeigen mir die Wolkenzüge
Ihre sagenhaften Fratzen
Ihre kolossalen Schlachten
Rotdurchglüht und todesschwarz.
Wickeln mit lymphösen Binden
Klebrigfeucht die Frühlingsblüten
Wehen weg im kalten Ost.
Stauen sich zu Eisgebirgen
Mitten in der Sommerhitze.
Über den Gewittergipfeln
Schwingt die Sonne goldene Bänder
Und es tummeln sich die Nymphen
Nackt und rund an Brust und Hüften
Vor dem Mannsvolk in den Lüften.
So erschau ich, was ich lebe:
Ewig wiederholte Formen
Eine Welt verwehter Normen
Alles immer in der Schwebe.

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Altes Schloss

Die Ruine des Turms 2008

Rot hinterm Hügel, wo Frankreich ist

Der Brand kehrt zurück aus geschleiften Burgen

Abendstern, der sich selbst vergisst

Glitzert durchs Blau, keine Zeit wird ihm lang.

Alle die Steine, noch warm vom Blut

Sonnengetränkt unter Wanderstiefeln

Reden vom Leben, die Buche zieht Wurzeln

Fichten krallen und Farne sich fest

Leuchte, mein Mond, der Kauz ruft die Stunde

Da wir uns endlich der Zeit vermählen

Und uns nicht länger mit Plänen quälen.

Wir sind mit Sternen und Felsen im Bunde.

Der Charme der Stasi


Die FAZ (nicht nur sie) berichtet über Tausende Karrieren ehemaliger hauptamtlicher und inoffizieller Stasimitarbeiter im öffentlichen Dienst. Muss man sich darüber wundern?
Brauchbare Anpasser sind eine gehätschelte Spezies in Verwaltungen – auch in Unternehmen. Man muss sich über solche Karrieren also nicht wundern, auch nicht über die Tendenz zum Verniedlichen der DäDäÄrr. Sie ist längst ein selbstverständlicher Impuls quotengesteuerter Medienidiotie. Es sind nicht die Clubs und Gesellschaften von Ex-Stasis, Ex-Grenztruppen, Ex-Was-Weiß-Ich-Für-Machtstrukturen, die Furcht einflößen, es ist vielmehr die wachsende Bereitschaft, qualifizierte Minderheitsmeinungen zugunsten des rituellen Blökens von Umfrageherden zu unterdrücken. Der Charme der Kontrollen und Verbote als vermeintliche Konfliktlöser wächst. Dagegen schwindet der Wille, das demokratische Gemeinwesen mit seinen Kontroversen als mühevolle aber lohnende Aufgabe anzunehmen

Diagnose: Eigensinn, Prognose: unbestimmt


Vor ziemlich genau 100 Jahren reiste mein Großvater als Seemann um die Welt. Er war monatelang unterwegs, die Bedingungen an Bord waren hart
Eine seiner Fahrten nach Südostasien verlief unvorhergesehen: der Weltkrieg war ausgebrochen, ein britischer Kreuzer brachte das deutsche Handelsschiff im Indischen Ozean auf, der frischgebackene Schiffsingenieur verbrachte seinen 30sten Geburtstag und fünf folgende Jahre bis 1919 in einem Camp für Kriegsgefangene in der australischen Wüste.
Danach war es mit der Seefahrt vorbei. Nachkrieg, Inflation, Weltwirtschaftskrise verhinderten, dass er jemals wieder die heimische Kleinstadt verlassen konnte. Aber die Geschichten, die er erzählte, die seltsamen Souvenirs des Weltreisenden haben den Enkel später nicht ruhen lassen: er war dauerhaft von Reisen in den Fernen Osten nicht abzuhalten – nicht durch Mauern und Stacheldraht, nicht durch Drohungen mit Haft, nicht durch Berufsverbot und Isolierung bis an den Rand der Existenzfähigkeit.
Die eigensinnigen Kosmopoliten von gestern und heute sollen gelobt sein!

Sündenböcke


Unser Gehirn hat ein Problem: „WARUM“ ist seine Lieblings-frage. Und die Antwort erfolgt reflexhaft – seit Millionen Jahren …

Das älteste und unentberlichste Haustier des Menschen ist deshalb der Sündenbock – und das ist das Erfolgsgeheimnis nicht nur der BILD-Zeitung. Das Quotensystem sorgt dafür, dass alle Medien von der Jagd nach Sündenböcken leben.
Dass das zweckmäßig und tödlich zugleich ist und was es mit den typischen Konfliktverläufen im Zusammenleben der Menschen, mit Mobbing, Feindbildern, Kriegen und dergleichen zu tun hat, erfahren Sie in dem Buch „Der menschliche Kosmos“.
Dass wir ohne Sündenböcke auskommen müssen, wenn wir der Menschheit ein erträgliches Zusammenleben über die Grenzen von Erdölquellen, Wasserressourcen, Energieerzeugung mit oder ohne Atomkraft und Klimaveränderungen hinaus zutrauen wollen: Das weiß jeder – oder?