Flüstre mir mit sanfter Trommel
Deine grünen Märchen ein.
Komm aufs Dach und tröpfle Tränen
Aus verschwiegenen Haremsträumen
Träufle süßes Gift der Liebe
Körperschwer und sinnenträge
Mir in meine Frühlingsnacht
Regen, vom April gemacht.
Ungeteilte Zeit

Die kurzen Nächte will ich nur für mich.
Kein Staat und kein Konzern darf mit mir teilen.
Allein will ich mit den Kometen eilen
Verglühn im Sonnenwind als Ding an sich
Als kosmisches Geschöpf, befreit vom Zählen
Von Quoten und statistischem Gerät
Ein Schweifstern, frei die eigne Bahn zu wählen
Der Gleichmaß, Sicherheit und Halt verschmäht.
Den Halt gibt es für ihn zur Todesstunde
Wenn aus der kurzen Nacht die längste wird.
Die Sonne schlägt ihm seine tiefste Wunde
Da er in ihre Nähe sich verirrt.
Leipzig in Kürze
Buchmesse 2010 – wer hier war, wird sich über Mangel an Anregendem nicht zu beklagen haben, falls er in die Nischen zwischen den millionenschweren PR-Maschinen der gebührenfinanzierten Massenmedien und der Großverlage geschaut hat.
Am Freitag, dem 19.3. konnte man das sogar noch relativ entspannt, heute drängte – inzwischen fast ein Ritual – die Jugend mit und ohne Kostüm zum Spektakel des Sehens und Gesehenwerdens, mancher beklagt die Literaturferne des von Comic- und Mangakonsum inspirierten Getümmels, mir ist es recht, dass junge Leute lieber selbst etwas unternehemen, als andachtsvoll an den Lippen der Mainstreamverkäufer im Literaturbetrieb zu kleben. Entscheidungen zum Lesen und Schreiben fallen in unterschiedlichsten Lebensaltern und – Gott sei Dank – ebenso unterschiedlichsn Kontexten. Qualität setzt sich am Ende durch. Das lässt sich zumindest von der Vergabe der Buchpreise sagen – ich muss hier nicht anführen, was schon in allen Nachrichten stand.
Eine Trouvaille war ein ansprechend edierter Roman von Hans-Dieter Eberhard, “Einer ohne Steuermann” erschienen 2009 in der edition malandrin, München, er gefiel mir wegen seiner schlackenlosen Sprache, ich werde ihn lesen. Ebenso Gerd Koenens “Was war der Kommunismus”, vom Verlag Vandenhoeck & Ruprecht in der Stasi-Gedenkstätte vorgestellt. Das ehemalige Kino der Bezirksverwaltung von Erich Mielkes Liebesministerium war beziehungsreiche Kulisse, der Autor überzeugte durch Sachkenntnis und die Fähigkeit, seine Einsichten in die Entwicklungen einstiger kommunistischer Staaten sehr anschaulich zusammenzufassen. Von China über die Sowjetunion bis Jugoslawien, Albanien und in die ruhmlos verblichene DDR konnte er spezielle Herrschaftsformen historisch und kulturell zuordnen. Für 2013 ist ein umfassendes Werk zum Thema angekündigt; von dem jetzt vorliegenden soll hier demnächst die Rede sein.
Verlässliches Wunder
Die Blüten haben sich vor meine Tür geschlichen
Des nachts, und niemand hörte ihren leisen Schritt.
Sie brachten ihre lila Träume mit
Ein Blütenlächeln, dem all meine Sorgen wichen
Und jene Hoffnung, die wir ewig nennen
Die jedem Frühling seine Blüten schafft
Mit flüchtigster und unbezwungener Kraft
Und liebestrunken, dass die Nächte brennen.

Blütenwolken, überm Boden schwebend
Leben in China

Nach vier Wochen zwischen Yangzijiang (Jangtsekiang), Sanya auf der Tropeninsel Hainan, nun einige Tage in Beijing (Peking), das den Charme von Ostberlin hat: kalte, leere Gigantomanie, was mal Kaisertum war, ist Fahnengeschwenke unterm Schutz zahlloser uniformierter und nicht uniformierter Wächter: ein Staat wird vom Geld regiert, reagiert auf die Attacken der globalen Geldmaschinerie mit der Wucht seiner Massenproduktion, auf die Kritik von einzelnen mit dem brachialen Übergriff: Zeichen eines Niedergangs.
Die Chinesen – je weiter weg im Süden, desto munterer – verhalten sich pragmatisch wie jeder Dynastie gegenüber. Hauptsache, der Familie geht’s gut und für möglichst üppiges Essen ist gesorgt. Feuerwerk kann’s nicht genug geben, wenn’s richtig donnert, zieht man halt den Kopf ein.
Brutalspaß
Den Film „Up in the Air“ mit George Clooney habe ich nicht gesehen; in der FAZ gab’s gerade einen Artikel zum Thema ”Rausschmeißberater für konfliktscheue Manager” .
Ich habe mir erlaubt, ihn zu kommentieren:
Dieser Artikel ist in seiner Länge und Selbstreferenz das Schaurig-Komischste, was ich seit langem gelesen habe. Nachdem man Menschen von der Kinderkrippe bis zum Universitätsabschluss weitgehend abtrainiert hat, Selbständigkeit als Lebensform zu erproben, sie stattdessen aufs An-Gestellt-Sein und den vorauseilenden Gehorsam gegen ihre Chefs geradezu dressiert sind und den Verlust der Anstellung als größte anzunehmende Katastrophe wahrnehmen, werfen jetzt ein paar Schlaumeier das Psycho-Engineering für konfliktscheue Manager und die professionelle Tröstung ihrer Opfer auf den Markt. Dafür lassen sie sich die frisierten Schnauzen vergolden. Alles wird gut!
Von China aus sieht die Welt ziemlich anders – wenn auch nicht unbedingt besser – aus. „Up in the Air!“
Gestelle
Der Kunst ergeht es längst wie der Wirtschaft, der Politik, der Wissenschaft: sie entkommt nicht mehr den sprachlichen Kodierungen ihrer in Geldmaschinen verzahnten Korporationen. Die Inhaltsleere des Neusprechs wird mit Wortgeschwüren überdeckt, die nur eines zeigen: wie besoffen die Verfasser vom Gefühl des Dazugehörens, vom pausenlosen Nuckeln an ihrer eigenen Wichtigkeit sind.
(Kommentar zu einem Artikel von Durs Grünbein in der FAZ)
Frühlingsfest in China
Unendlich sicher
Einstein meinte, dass gemeinhin zwei Dinge als unendlich gelten: der Kosmos und die menschliche Dummheit, aber beim Kosmos sei man sich nicht sicher. Es läuft nun in Deutschland seit längerem ein Versuch, ob nicht auch die Langmut deutscher Steuer-, Beitrags- und Gebührenzahler den Unendlichkeits- Status beanspruchen darf.
Möglicherweise endet diese Langmut genau da, wo sich die Einsicht ausbreitet, dass nicht vor allem die anderen, sondern tatsächlich man (oder frau) selbst den Löwenanteil der Zeche für den gesamtstaatlich organisierten Wahn von der Versorgung aller mit Fastfood, Fastkultur und Fußball und der Versicherung aller gegen alles und gegen alle zahlt, dass den Profit davon aber hauptsächlich die Steuer-, Beitrags- und Gebühreneintreiber haben.
Dieser deutsche Menschenversuch – das Land darf ja, Menschenversuche betreffend, eine historische Spitzenposition beanspruchen – bleibt spannend, ein klares Resultat ist nicht in Sicht, weil ja eben die menschliche Dummheit jeder Einsicht entgegensteht. Und diese – nicht einmal genuin deutsche – Dummheit ist…
Neues vom tollen Hecht

Der Forschungsverbund Berlin e.V. lässt uns wissen, dass Hechte sich nicht immer „arttypisch“ verhalten. In einer Pressemitteilung heißt es:
„In der Berufswelt gibt es viele Strategien, um zum Ziel zu gelangen. Während sich die einen durch Beständigkeit behaupten, trumpfen andere mit ihrem Charisma auf. Bis jetzt ist weitgehend ungeklärt, ob auch bei niederen Wirbeltieren, wie Fischen, unterschiedliche Verhaltensweisen innerhalb einer Art vergleichbare Folgen für das Überleben und den Fortpflanzungserfolg haben. Forscher am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben nun herausgefunden, dass der Raubfisch Hecht in der Lage ist, bei mangelndem Nahrungsangebot alte Gewohnheiten aufzugeben.“
Das Aufgeben alter Gewohnheiten führt „in der Berufswelt“ nicht unbedingt zu einer Verbesserung der eigenen Situation, aber wir haben uns doch gefreut für den Hecht: er ist toll, weil anpassungsfähig. Er braucht nichtmal einen Karpfenteich, um groß in Form zu kommen.
Wer den ganzen Artikel lesen möchte, klicke auf das zugehörige Foto von Andreas Hartl.

