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Nacht. Bekannter, Frau, Kind (knapp 2 Jahre alt)
Kind Mama. Mama!
Frau Sei still.
Kind Mama. Mama!
Frau Es ist erst fünf, schlaf! Es ist erst fünf.
Kind Mama. Mama!
Frau Hör auf. Sei still. Sei endlich ruhig und schlaf. Es ist erst fünf, also lass mich in
Ruhe und schlaf, schlaf!
Bekannter Was hat sie denn? Vielleicht ist sie krank.
Frau Ach was. Es ist erst fünf. Um sechs bring ich sie in die Krippe. Sie soll schlafen.
Bekannter Komm.
Kind (schreit)
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Revolution
Siehst du deine Aktien fallen?
Spürst du deine dünne Haut?
Tust du noch, wovor dir graut
Und schwimmst immer noch mit allen?
Bist du kollektives Wesen
Unverstört im gleichen Schritt
Willst nicht einsam sein, willst mit
Kannst noch nicht die Zeichen lesen?
Glaubst noch an die Chorgesänge
Und die Phrasenrituale?
Was erklang so viele Male
Bindet viele ans Gedränge.
Doch wo’s hindrängt, wird es enge.
Denn die Zukunft ist vom Wollen
All der gleichen Wünsche, Triebe
Längst schon derart zugequollen
Dass kein Platz mehr übrig bliebe
Gäbs nicht gegen diesen Frust
Das Prinzip GEWALT MACHT LUST.
Die Dreifaltigkeit der Kriege
Mordskarrieren, Lügensiege.
Schlag mit drein. Du bist dabei.
Mach dich von dir selber frei.
Ende der Angst

Heldentum überflüssig
Wer gewinnt den Frieden?
Kriege werden gewonnen.
Frieden ist das große Unentschieden
Schwer zu ertragen, wo Sieger gefragt sind
Und Preise winken, egal wie hoch der Preis.
Nicht siegen wollen ist pervers
In den Augen der Aasgeier
Die vom Verlieren leben und Tod.
Nicht siegen wollen, nur leben
Ist der Weg zurück
Zu den Pforten des Paradieses
Wo sowohl als auch ist
Und überall nirgends, kein Ziel, kein Versagen.
Wo Gott wohnt:
Ganz am Ende der Angst.
Wissen wohin
Willst du wissen — willst du nicht
Wo entlang die Wege führen
Willst du nur nach vorne stieren
Mit dem Köder vorm Gesicht?
Ach, die Leute werden schneller
Werden wilder, werden mehr
Nach dem Gelde drängt das Heer
Schlägt für Gulden, feilscht um Heller.
Rechts und links von all den Zügen
Liegen Leichen deiner Träume
Die verbrannten Paradiese
Müllbedeckte Rückzugsräume.
Aus dem Abfall wuchern Lügen
Wie so schön die Wettbewerbe
Wie so fair die Leistungsdaten
Wie so kühn die Heldentaten.
Glück ist Gold. Du kannst dich fügen.
Oder lieber innehalten
Deine wunden Füße fragen:
Lohnt das Ziel, die Last zu tragen?
Zähle deine Kummerfalten
Und dann gib dich nicht geschlagen.
Der Charme der Stasi

Die FAZ (nicht nur sie) berichtet über Tausende Karrieren ehemaliger hauptamtlicher und inoffizieller Stasimitarbeiter im öffentlichen Dienst. Muss man sich darüber wundern?
Brauchbare Anpasser sind eine gehätschelte Spezies in Verwaltungen – auch in Unternehmen. Man muss sich über solche Karrieren also nicht wundern, auch nicht über die Tendenz zum Verniedlichen der DäDäÄrr. Sie ist längst ein selbstverständlicher Impuls quotengesteuerter Medienidiotie. Es sind nicht die Clubs und Gesellschaften von Ex-Stasis, Ex-Grenztruppen, Ex-Was-Weiß-Ich-Für-Machtstrukturen, die Furcht einflößen, es ist vielmehr die wachsende Bereitschaft, qualifizierte Minderheitsmeinungen zugunsten des rituellen Blökens von Umfrageherden zu unterdrücken. Der Charme der Kontrollen und Verbote als vermeintliche Konfliktlöser wächst. Dagegen schwindet der Wille, das demokratische Gemeinwesen mit seinen Kontroversen als mühevolle aber lohnende Aufgabe anzunehmen
Kirschenzeit
Diagnose: Eigensinn, Prognose: unbestimmt

Vor ziemlich genau 100 Jahren reiste mein Großvater als Seemann um die Welt. Er war monatelang unterwegs, die Bedingungen an Bord waren hart
Eine seiner Fahrten nach Südostasien verlief unvorhergesehen: der Weltkrieg war ausgebrochen, ein britischer Kreuzer brachte das deutsche Handelsschiff im Indischen Ozean auf, der frischgebackene Schiffsingenieur verbrachte seinen 30sten Geburtstag und fünf folgende Jahre bis 1919 in einem Camp für Kriegsgefangene in der australischen Wüste.
Danach war es mit der Seefahrt vorbei. Nachkrieg, Inflation, Weltwirtschaftskrise verhinderten, dass er jemals wieder die heimische Kleinstadt verlassen konnte. Aber die Geschichten, die er erzählte, die seltsamen Souvenirs des Weltreisenden haben den Enkel später nicht ruhen lassen: er war dauerhaft von Reisen in den Fernen Osten nicht abzuhalten – nicht durch Mauern und Stacheldraht, nicht durch Drohungen mit Haft, nicht durch Berufsverbot und Isolierung bis an den Rand der Existenzfähigkeit.
Die eigensinnigen Kosmopoliten von gestern und heute sollen gelobt sein!
Sündenböcke

Unser Gehirn hat ein Problem: „WARUM“ ist seine Lieblings-frage. Und die Antwort erfolgt reflexhaft – seit Millionen Jahren …
Das älteste und unentberlichste Haustier des Menschen ist deshalb der Sündenbock – und das ist das Erfolgsgeheimnis nicht nur der BILD-Zeitung. Das Quotensystem sorgt dafür, dass alle Medien von der Jagd nach Sündenböcken leben.
Dass das zweckmäßig und tödlich zugleich ist und was es mit den typischen Konfliktverläufen im Zusammenleben der Menschen, mit Mobbing, Feindbildern, Kriegen und dergleichen zu tun hat, erfahren Sie in dem Buch „Der menschliche Kosmos“.
Dass wir ohne Sündenböcke auskommen müssen, wenn wir der Menschheit ein erträgliches Zusammenleben über die Grenzen von Erdölquellen, Wasserressourcen, Energieerzeugung mit oder ohne Atomkraft und Klimaveränderungen hinaus zutrauen wollen: Das weiß jeder – oder?
