Der menschliche Makel

Wir kommen in die Welt befleckt mit Blut
Und unsre Hände zucken nach dem warmen Roten
Die Bilder reißen unsere Augen auf
Kälte deckt unsre Haut
Ins Leben trägt ein eigener geller Schrei
Darin ist Trennung. Eins wird zwei.

Durch Wachstum werden wir uns selber fremd.
Gewesen ist: Die eigenen Schmerzen tragen
Ein jegliches Erlangen ist Entsagen
Das Wirklichsein erstickt die Möglichkeit
Ein kleines Wissen tötet tausend Träume
Nur ein erfahrener Augenblick ein hoffnungsvolles Jahr.

Glück macht uns blind und unsere Schuld ist wahr.

Mondgesicht

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Mein Mond kommt übern Berg und schaut mich an
Ein Dunkel ändert seinen Sinn, die Wolken leuchten.
Kühl, silbern, kostbar übern Himmel hin
Verteilt das Sternenlicht sein zwinkerndes Gerätsel.
Kometen zieh’n und Schnuppen durch die Träume.
Kein Wunsch bleibt ungewünscht in dieser Nacht.
In diesen Fernen schwinden alle Nöte
In diesen Fernen stirbt uns nichts und nie
Erwacht ein Wesen uns die Welt zu lösen
In Glück und Räusche fleischlicher Begierde.
So trösten sie uns über den Verlust
Und den Verzicht und die versagten Wünsche
So oft wir wollen, und das ist zu oft
Um nicht des Universums letzten Winkel
Ganz zu erfüllen mit der Welt, von uns erhofft.

Komm, lieber Mond, eh alle Zukunft schwindet
Verstopft von unerfüllbarem Begehren
Du steinern klagendes Gesicht, komm, sieh mich an
Du sollst heut Nacht mich wieder hoffen lehren.

An den Hebeln

Sie drehen an den Schrauben
Und halten der Reden viel
Geld ist, woran sie glauben
Und Machterhalt das Ziel.

Ihr Blick geht in die Weite
Bis fast an den Tellerrand
Sie stehen dir zur Seite
In Stürmen, Flut und Brand.

Sie halten ihre Hände
Fest auf dem Portemonnaie
´s ist deins! Bist du am Ende
Dann rührt sie tief dein Weh.

Sie lutschen viele Wörter
Schön rund und glatt und hohl
Sie schmieden aus Phrasen Schwerter
Nur zu der Menschen Wohl.

Und wenn die Schwerter töten
Dann können sie nicht dafür
Du solltest für sie beten
Da draußen vor ihrer Tür.

Du hast ja nichts zu verlieren
Sie drückt die Führungslast.
Wieso lässt du sie spüren
Dass du kein Mitleid hast?

Wiegenlied

Komm, Trost der Welt, du stille Nacht
Auf deinen schwarzen Flügeln
Flieg ich dem knirschenden Getriebe weg:
Traumtief und sternenhoch, bin sonderbar
Von Hab und Gier befreit, ein Wolkenkind.
Mir fehlt nicht Lärm, Zerstreuung noch Applaus.
Ich habe, was der Welt am meisten fehlt
Wo Nacht und Traum mir meine Fesseln lösen.
Ich bin so gern ein luftiges Getier
Und werf mich meinen Lüsten ins Gesicht
Und schweife aus, verliere, rechne nicht.
Du stille Nacht, ich bin so gern in dir.
Komm, Trost der Welt, und wieg mich sacht.

Zug der Zeiten – ungefestigt

Alle Jahre, alle Monde
Zeigen mir die Wolkenzüge
Ihre sagenhaften Fratzen
Ihre kolossalen Schlachten
Rotdurchglüht und todesschwarz.
Wickeln mit lymphösen Binden
Klebrigfeucht die Frühlingsblüten
Wehen weg im kalten Ost.
Stauen sich zu Eisgebirgen
Mitten in der Sommerhitze.
Über den Gewittergipfeln
Schwingt die Sonne goldene Bänder
Und es tummeln sich die Nymphen
Nackt und rund an Brust und Hüften
Vor dem Mannsvolk in den Lüften.
So erschau ich, was ich lebe:
Ewig wiederholte Formen
Eine Welt verwehter Normen
Alles immer in der Schwebe.

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Altes Schloss

Die Ruine des Turms 2008

Rot hinterm Hügel, wo Frankreich ist

Der Brand kehrt zurück aus geschleiften Burgen

Abendstern, der sich selbst vergisst

Glitzert durchs Blau, keine Zeit wird ihm lang.

Alle die Steine, noch warm vom Blut

Sonnengetränkt unter Wanderstiefeln

Reden vom Leben, die Buche zieht Wurzeln

Fichten krallen und Farne sich fest

Leuchte, mein Mond, der Kauz ruft die Stunde

Da wir uns endlich der Zeit vermählen

Und uns nicht länger mit Plänen quälen.

Wir sind mit Sternen und Felsen im Bunde.

Sommer


Komm, meine Sonne, tränke meine Haut
mit Lichtgefühl, durchdringe meine Lider,
erweck die Düfte aller Sommer wieder
und alle Blüten, die ich je geschaut.

Mach aus der Zeit ein kosmisches Gewebe
und schmilz die Uhren ein zu schwarzem Schaum.
Zieh mich auf deiner Bahn zum Weltensaum,
mach mich zum Augenblick, in dem ich lebe.