Menschengeist – Weltgeist

Anatole France, Literaturnobelpreisträger 1921
Anatole France schrieb 1904 den Roman „Komödiantengeschichte“; er steht im Œuvre des Literaturnobelpreisträgers hinter „Die Götter dürsten“ oder dem  „Aufruhr der Engel“, einer leidenschaftliche Satire gegen den Klerus und die Bigotterie des Christentums von 1914 etwas zurück. Weshalb er mir im Gedächtnis blieb, ist eine Szene, in der die Protagonisten über die Wege des Sternenlichts nachdenken und dabei Gedankengängen der speziellen Relativitätstheorie von Einstein folgen. Das Besondere daran: Einstein veröffentlichte seine Arbeit erst ein Jahr später. Wie es scheint, lagen zumindest einige seiner Überlegungen in der Luft. das verwundert nicht, hatte doch der französische Mathematiker Poincaré den mathematischen Apparat zu Einsteins Theorie schon entwickelt. Möglicherweise kannten sich der Mathematiker und der Romancier – ich habe bisher keinen Hinweis darauf gefunden.

Die Geschichte beschäftigt mich insofern, als ich vor einiger Zeit nach einer Lesung gefragt wurde, wieso ich mir nicht den Umweg über die Physik erspart habe, da doch mein Weg schließlich zum Theater, zum Film und zur Literatur verlaufen sei. Die Frage konnte ich leicht beantworten, weil mein Interesse an der Physik und Philosophie nie ermüdet war. Den Weg zum Theater schlug ich ein, weil mir die Lebensweise des Spezialisten nicht behagte. Ich habe das lebenslange Bemühen um den Brückenbau zwischen Kunst und Wissenschaft niemals bereut. Deshalb findet sich das Denken der modernen Physik nicht nur in „Der menschliche Kosmos„, sondern in den Träumen von Gustav Horbel ebenso wie in den Reflexionen des Physikers Anton Fürbringer in „Babels Berg„. Ich bin dankbar und glücklich, dass meine Wünsche, mein Streben nach Verbindungen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften – so wie beider Verbindung zur Kunst – in unseren Tagen Teil einer allgemeinen und unausweichlichen Bewegung werden.

Auf die erhellende Begegnung mit Alva Noë und seinem Buch „Du bist nicht Dein Gehirn“ folgt demnächst die Lektüre von „Zyklen der Zeit„, dessen Autor Roger Penrose zu den bedeutenden Mathematikern und Kosmologen unserer Zeit gehört. Und diese wundersamen Zusammentreffen machen die Arbeit am „Raketenschirm“ zum Aufregendsten, was sich einer wie ich für seine alten Tage vorstellen kann.

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